Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
P. L. Bouvier's Handbuch der Oelmalerei für Künstler und Kunstfreunde
Person:
Bouvier, Pierre Louis Ehrhardt, Adolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1340265
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1343790
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Lcction. 
Funfzehnte 
Farbnnauftrag. 
drücken, ist es nicht ebenso viel, als mit wenigen Worten viel 
sagen? Jeder Mensch daher, welcher eine Skizze oder einen 
lilntwurf geistreich zu machen im Staude ist, wird nothwendig 
auch eine geistreiche Behandlung selbst in seinen ausgeführtesten 
Werken haben, wenn er nur Erfahrung genug erlangt hat, um 
Herr der Behandlung seiner Farbe zu sein. 
S0 wird auch besonders durch die Art und Weise der Pin- 
selführung möglich, dass geübte Augen erkennen können, ob ein 
Gemälde von diesem oder jenem Meister ist, und mit so vieler 
"Sicherheit, dass sie fast niemals eine Copie, so gut sie auch ge- 
macht ist, für ein Original halten. Die Pinselführung eines grossen 
Meisters hat einen so unterscheidenden Charakter, dass es tausend- 
mal schwerer ist, sie vollkommen nachzuahmen, als eine Namens- 
signatur oder irgend welche Schrift. 
Man darf sich also nicht verwundern, wenn wirkliche 
Kenner ein Original von der Copie leicht- unterscheiden. Die 
grosse Schwierigkeit besteht allein darin, dass man eine grosse 
Anzahl Maler bis zu dem Grade studiert haben muss, dass man 
ihre Eigenthümlichkeit und ihre Art zu malen vollkommen kennt. 
Dieses Studium erfordert viel Zeit, Ausdauer, einen feinen Ge- 
schmack und natürliches Gefühl; daher kommt es, dass es wenig 
wahre Kenner giebt. 
Ein Copist kann die Umrisse von dem Original kalkiren, er 
kann sogar die Wirkung, die Farbe und den Ausdruck des Kopfs, 
wenn er einiges Talent hat, ziemlich gut nachahmen; allein bei 
der Pinselführung, welche die Seele des Originals ist, wird immer 
nur die Hand des Meisters das Richtige treifen. Noch mehr: 
ein Maler, welcher sich selbst copirt, wie dies öfters geschieht, 
hat nicht mehr dieselbe Hingabe, dieselbe Freiheit des Pinsel- 
strichs in seiner Copie, blos aus demiGrunde, weil er sich die 
Last aufgelegt hat zu copiren, und weil er nicht mehr nur nach 
seiner Eingebung arbeitet. 
Indessen darf man nicht denken, dass es blos darauf an- 
komme, freie und dreiste Pinselstriche zu machen, um vortrelT- 
liche Werke zu liefern, sondern diese Pinselstriche müssen auch 
mit der grössten Richtigkeit angebracht sein, sowohl in Ansehung 
der Wahrheit des Tons, als der darzustellenden Form; sie müssen
        

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