Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
P. L. Bouvier's Handbuch der Oelmalerei für Künstler und Kunstfreunde
Person:
Bouvier, Pierre Louis Ehrhardt, Adolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1340265
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1343533
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Lcc-tion. 
Vierzehnte 
Uebermalun g . 
einer gewissen Entfernung gesehen sind. Gemälde von mittlerer 
(lrösse untersucht man nicht mit der Lupe, und da man, um sie 
zu beurtheilen und sich an denselben zu erfreuen, sich in eine 
Entfernung stellt, aus welcher der Maler ungefahr sein Modell 
betrachtet hat, muss man neben den grossen Massen nur die- 
jenigen Details berücksiohtigen, welche aus dieser Entfernung 
gesehen werden können. Noch mehr,  es giebt tausend kleine 
Dinge, welche das forschende Auge in dem Modell durch An- 
strengung des Sehens entdeckt, worauf es aber nicht würde Acht 
gehabt haben, wenn es die Person nur im Allgemeinen, gewisser- 
maassen wie bei der Unterhaltung, gesehen hatte. Dies letztere 
ist die richtige Ansicht, von der aus man die Natur nachahmen 
muss. In Bezug auf die Wiedergabe der menschlichen, ja aller 
Formen, wie schon vorher Aehnliches bemerkt worden ist, kann 
man nicht scharf und sorgfältig genug zu Werke gehen. Dies 
ist aber etwas ganz anderes als die hier besprochene Nach- 
ahmung aller kleinen Details. So kann man wohl z. B. den 
iKörper eines Thieres mit Interesse ansehen und mit grosser Ge- 
nauigkeit nachbilden in Bezug auf seine Form und seine Bewe- 
gung, aber man betrachtet doch nicht etwa jedes Haar seines 
"Mantels oder seines Felles? Wenn man eine Wiese betrachtet, 
die unsere Blicke bezaubert, so sieht und zählt man doch nicht 
alle Halme der Gräser, die ihren Raum bedecken, an einem 
schönen Baum nicht alle Blätter desselben, gewiss nicht. Also 
nur die charakteristische Form der Dinge muss man malen, 
ohne sich in die unbedeutenden Details zu verlieren. Man ver- 
fallt in das Trockene und Abgeschmackte, wenn man das eigent- 
lich Unmögliche und Unsichtbare machen will. .Wir wollen uns 
also bei de1' Nachahmung auf die allgemeine Erscheinung der 
Gegenstände beschränken, und wenn wir ihnen ihren wahren Um- 
riss, ihre wahre Farbe und die magische Wirkung des Lichts 
und Schattens so ertheilen, dass ihre charakteristische Er- 
scheinung uns klar und deutlich entgegentritt, so haben wir die- 
ses Ziel der Malerei erreicht. 
Wäre dem nicht so, so müssten die Werke eines Malers wie 
Denner aus Hamburg, nicht nur den mit Recht sehr geachteten 
Platz in allen Gallerien einnehmen, den sie jetzt inne haben,
        

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