Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
P. L. Bouvier's Handbuch der Oelmalerei für Künstler und Kunstfreunde
Person:
Bouvier, Pierre Louis Ehrhardt, Adolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1340265
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1342816
188 
Elfte 
Leotion. 
Untermalung. 
Die 
den Verdruss, auf seinem Gemälde einen Ueberzug von Staub 
mit Insecten vermischt zu sehen, der ohne Gefahr für das Ge- 
mälde nicht leicht abzunehmen ist. Man verdoppele diese Sorg- 
falt zur Vermeidung solcher Unannehmlichkeit, wenn man ein 
schon vollendetes Gemälde trocknen lassen will, auf welchem 
man nicht mehr die oberste Haut der Farbe wegnehmen oder ab- 
schaben kann, wie auf der Untermalung. 
Täglich muss man nach seiner Untermalung sehen, um Ge- 
wissheit zu erhalten, dass keine Beschädigung vorgekommen, und. 
um zu wissen wie das Trocknen vorschreitet. Indessen genügt 
es dies täglich einmal vorzunehmen. Wenn übrigens das Ge- 
mälde der Luft dergestalt ausgesetzt ist, dass Regen, Schnee oder 
Hagel darauf fallen könnte, so muss man Sorge tragen dasselbe 
vor dem Unwetter zu schützen, wie vor jeder andern Beschädigung. 
Nach" drei Tagen im Sommer und acht bis zehn Tagen im 
Winter betaste man das Gemälde mit der Fingerspitze ganz leicht 
und vorsichtig, um zu sehen, 0b die Farben noch an den Fingern 
kleben; ist man versichert dass sie nicht mehr kleben, so neige 
man das Gemälde im entgegengesetzten Sinn, damit das Tages- 
licht mehr senkrecht auf dasselbe falle: dieses wird die Austrock- 
nung beschleunigen, ohne dass man von dem Staub etwas zu be- 
fürchten hat, der sich nicht mehr darauf festsetzen kann. 0b die 
Farbe überhaupt trocken ist, erkennt man daran, dass, wenn man 
darauf haucht, der Hauch haften bleibt, was er auf noch nassen 
Stellen nicht thut. Ob sie aber genügend trocken ist, erkennt 
man daran, dass, wenn man mit dem Nagel ein wenig darauf 
schabt, die Farbe fast wie Staub abgeht ohne sich in festen und 
biegsamen Streifen abzulösen. Ueberall, wo man genöthigt ge- 
wesen ist wenig oder viel Troekenöl zu Hiilfe zu nehmen, wird 
die Farbe obgleich sie auf der Oberfläche nicht klebt, sich nicht 
bei dem Schaben in trocknes Pulver verwandeln, weil das Iläuts 
ehen, das sich auf diesen Parthieen bildet, das Trocknen des Oels 
verhindert, dergestalt dass die Farben darunter lange Zeit weich 
bleiben. Dies verhindert aber die Uebermalung nicht, denn sonst 
müsste man vielleicht Jahre lang warten; aber eben dieses lehrt, 
dass man Trockenürniss nur solchen-Farben heimischen muss, 
die ohne denselben gar nicht trocken würden.
        

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