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Erste
Lection.
Casseler Braun.
nach der umständlichen Beschreibung, die ich eben davon gegeben,
und man geniesst dadurch den Vortheil, sich und Anderen eben
den Dienst zu leisten, dem ich jetzt genüge, Denn obgleich die
Farbenauswahl, die ich hier aufstelle, nichts zu wünschen übrig
zu lassen scheint, so ist es dennoch möglich, dass die Chemie
noch kostbare Entdeckungen für die Malerei machen kann, ja es
ist sogar sehr Wahrscheinlich, und dieses sind Vortheile, die man
nicht vernachlässigen muss, und die es verdienen, sich Mühe zu
geben und Versuche damit zu machen. Ich selbst habe keine
einzige mir bekannte Farbe unversucht gelassen, und zwar bei
den neuen Farben nach vorbeschriebener Methode. Hier noch
ein kurzes Beispiel iür das Verfahren, das ich bei diesen Ver-
suchen befolge: 1) der Name der Farbe, von wem sie kommt etc.,
das Datum, der Monat, das Jahr des Versuchs; 2) vermischt
z. B. zur Hälfte mit Weiss; 3) vermischt desgleichen mit Zinn-
ober etc., und so weiter bei jeder neuen Vermischung.
Casseler
Braun.
Braunschwarz.
Diese vortreflliche Farbe könnte eben so gut zu den schwar-
zen als zu den braunen Farben gerechnet werden; denn sie hat
eine solche Stärke, dass sie selbst das Schwarz verdunkelt. Allein
da ihr Ton, wenn man sie sehr dünn auftragt, wie brauner Bister
aussieht und viel Durchsichtigkeit hat, so schickt sie sich nicht
zum Untermalen des Schwarz, weil sie nicht genug deckt. Es
giebt ein sehr kräftiges Braun, wenn man es über eine braune
Untermalung legt, und ist in diesem Fall unendlich besser, als
die schwarzen lilarben, die fast alle mehr oder weniger schwer
und kalt im Ton sind, so, dass man mit dem Casseler Braun
eine Kraft erreichen kann, welche keine andere Farbe hervor-
bringt. Uebrigens lasst sie sich leicht behandeln, und in kurzer
Zeit reiben. Allein sie ist sehr erdpechhaltig, daher darf man
sie nie mit Weiss, noch mit einer anderen lebhaften und hellen
Farbe vermischen, sie würde sie angreifen, und überdies würde
es auch ganz unnütz sein.