Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Oelmalerei für Künstler und Kunstfreunde
Person:
Bouvier, Pierre Louis Ehrhardt, Adolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1333609
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1334942
50 
Erste 
Lection. 
Bemvrkungvn. 
das Auge bestechen, ohne dass sie sich bemüht haben, damit Ver- 
suche zu machen, noch die nöthige Zeit angewandt, um diese 
durch die Erfahrung bestätigen zu lassen. Wenig bekümmert 
um die Dauer ihrer Producte, nehmen sie unüberlegt alle neuen 
Farben auf, die man ihnen zeigt; sie folgen also dem Strom, 
ohne sich zu bekiimmern, was aus ihren Gemälden in der Folge 
werden wird: wenn ihren Augen nur für den Augenblick Genüge 
geschieht, denken sie gar nicht an die Zukunft. Für den Haufen 
mittelmassiger Künstler ist dies in der That von gar keiner Wich- 
tigkeit, wohl aber für die übrigen. Eine Menge vortrefilicher Ge- 
mlalde würden nicht verblichen, oder ganz und gar verdorben 
sein, ohne diese unglückliche Sorglosigkeit, und um nicht Bei- 
spiele von alten Malereien anzuführen, deren eine grosse Anzahl 
ganz schwarz geworden ist, will ich nur von zwei der berühm- 
testen englischen Maler reden, die schon bei ihren Lebzeiten 
ihre Werke zerstört und verunstaltet gesehen haben, nämlich 
die des Ritters Josua Reynold und des berühmten West,  
welche erst seit einigen Jahren durch den Tod der Kunst ent- 
rissen sind. Dieses Beispiel, zu welchem ich viele andere aus 
allen Zeiten und verschiedenen Ländern hinzufügen könnte, ist 
ohne Zweifel hinlänglich, alle guten Künstler aufzufordern, sich 
nicht der zufälligen Anwendung aller Farben, die man ihnen dar- 
bietet, ohne Rücksicht Preis zu geben; und wenn meine Bemer- 
kungen über diesen Gegenstand sie sorgfältiger und behutsamer 
machen könnten, so würde ich mir zu dem Erfolg meiner Ar- 
beiten und aller der Erfahrungen, die ich in dieser Hinsicht ge- 
macht habe, Glück wünschen. Sicherlich kann mein Buch denen 
kein Talent verschaffen, die von der Natur keines haben, noch 
es bei denen vergrössern, die damit beglückt sind; allein meine 
Untersuchungen und meine lange Beharrlichkeit können in dieser 
Rücksicht wenigstens für die Kunst von einigem Nutzen sein. 
Denn ich wage es zu versichern, dass diejenigen, welche zu der 
von mir ihnen angezeigten Palette Zutrauen haben, es niemals 
bereuen werden, meiner Leitung gefolgt zu sein, und dies allein 
ist es, worauf ich in Wahrheit stolz bin. 
Da es, wie ich eben schon erwähnt habe, nicht in meinem 
Plane liegt, alle die Gründe, warum ich mehrere Farben ver-
        

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