Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Oelmalerei für Künstler und Kunstfreunde
Person:
Bouvier, Pierre Louis Ehrhardt, Adolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1333609
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1334920
48 
Lection. 
Erste 
Asphalt. 
Asphalt 
oder 
Judenpech. 
Was ich oben bereits vom Asphalt gesagt habe, ist noch kein 
Grund, ihn von den guten Farben auszuschliessen. Die Maler, 
besonders aber die Niederländer, haben sich dessen jederzeit be- 
dient. Diese Farbe ist zum Lasiren vortrefflich, wegen ihrer 
schönen Bisterfarbe, wegen ihrer vollkommenen Durchsichtigkeit 
und wegen der Leichtigkeit, mit der sie sich, durch ihre ausser- 
ordentliche Theilbarkeit in so dünnen Lasuren, als man wünscht, 
ausbreiten lasst. Sie vermischt sich auch mit allen übrigen durch- 
sichtigen Farben, mithin kann man ihr den rechten Ton geben, 
den man zu erreichen wünscht. Allein sie hat den Fehler nach- 
zudunkeln, ein Fehler, welcher erstlich aus ihrer erdpechhaltigen 
Natur entsteht, und zweitens daraus dass sie fast gar nicht 
trocknen würde, wenn man sie nicht mit ganz reinem Trocken- 
firniss anmachte. 
Daher muss man sich derselben nie bedienen, um zurück- 
liegende Flächen zu lasiren, seien sie auch noch so wenig ent- 
fernt. Der Fehler würde zwar nicht sogleich bemerkbar sein, 
allein nach Verlauf einiger Zeit, wenn die Lasuren anfangen 
nachzudunkeln, würde er alle Harmonie zerstören. Man muss 
blos in den dunkelsten Schatten davon Gebrauch machen, und 
da, wo man nicht zu befürchten hat, jemals zu viel Kraft ver- 
wendet zu haben.  
Für alle übrigen Parthieen gebe ich dem Preussischen Braun, 
von der Farbe des Bisher Nr. 22 den Vorzug, welches fast ganz 
dem Asphalt gleich kommt, und keinen von den angeführten 
Fehlern hat. 
Einige Maler bedienen sieh des Asphalts blos mit reinem 
Wasser in überaus feiner Weise abgerieben, dann lassen sie ihn 
auf dem Stein ausgebreitet trocknen, alsdann mit dem Spachtel 
abgenommen wird er hierdurch in ein ausserordentlich feines und 
zartes Pulver verwandelt, welches man in einer kleinen Büchse 
von Buchsbaum verschlossen aufbewahrt. 
In diesem Zustande wird der Asphalt in dem Augenblick, 
da man sich dessen bedienen Will, nur mit Trockenöl angemacht. 
Der grosse Vortheil besteht darin, dass diese Farbe nicht so
        

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