Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Oelmalerei für Künstler und Kunstfreunde
Person:
Bouvier, Pierre Louis Ehrhardt, Adolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1333609
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1334856
Schmalte. 
Verschiedene 
Erfahrungen damit. 
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trocknen Jahreszeit arbeitet, und besonders wenn unter der Ver- 
mischung sich Weiss befindet, denn in Zeit von vier bis iiinf 
Stunden würde man die Farbe nicht mehr behandeln können, 
weil das Weiss und die Schmalte zugleich zwei starke Trocken- 
mittel sind. Einer meiner Freunde, Herr Töpfer, von welchem 
ich bei anderer Gelegenheit geredet, gebrauchte sonst häufig die 
Schmalte; dieser hat mir versichert, er halte es für gefährlich, 
die Farbe statt des Ultramarins zu gebrauchen, besonders bei 
den Lüften, weil nach seiner Aussage und Erfahrung die Schmalte 
sich nicht gut mit dem Oel verbindet und zuletzt sich von der 
Leinwand trennt, wenn man einen alten Firniss abnehmen und 
mit einem neuen ersetzen will, ja sogar, wenn man blos mit 
Wasser das Gemälde etwas stark wascht. Waltin spricht vom 
Kobalt als einer Farbe, die veränderlich ist, allein ich vermuthe, 
dass, da er blos ein sehr geschickter Lackirer und kein eigent- 
licher Maler war, er vielleicht sehr schlechten Kobalt oder 
Schmalte gebraucht hat, von der Art, wie man dergleichen in den 
Handlungen unter dem Namen Azurblau ündet und womit man 
die Wäsche oder Lichter blau färbt. Genug dieses Blau ist ganz 
und gar nicht rein, auch ist es möglich, dass man, um ihm mehr 
Glanz und Ansehen zu geben, irgend eine aus Kupfer gezogene 
Substanz dazumengt, wie die blaue Asche oder Blau von Ant- 
werpen u. dergl.; denn es ist gar nicht wahrscheinlich, dass ein 
Lackirer, so gewissenhaft er auch in seinen Arbeiten sein mag, 
sich Farben bedienen sollte, wovon die Unze sieben bis acht 
Franken kostet. 
Uebrigens lege ich hier blos meine Muthmassungen an den 
Tag, ohne etwas bestimmt auszusprechen. Alles, was ich sagen 
kann ist, dass mir dieses niemals begegnet ist. Meine Schmalte 
hat sich nie in's Grüne verändert, sich auch nicht von der Lein- 
wand abgelöst. Ich habe noch einige Arbeiten, die wenigstens 
zwanzig Jahre alt sind und sich durchaus noch in demselben Zu- 
stande befinden, wie ich sie verfertigte, und in welchen alle 
blauen Töne blos von Schmalte sind. Viele Maler gebrauchen 
dieselbe, besonders in Deutschland und Frankreich; allein es lasst 
sich zwischen der Sehmalte und dem Ultramarin keine Verglei- 
chung anstellen, daher bediene ich mich derselben nicht weiter,
        

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