Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Oelmalerei für Künstler und Kunstfreunde
Person:
Bouvier, Pierre Louis Ehrhardt, Adolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1333609
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1334778
beim Lasiren. 
Ultramarin 
Gebrauch des 
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Man glaube indessen nicht, dass eine blosse Lasur zur Voll- 
endung einer Draperie, einer Blume oder eines jeden anderen Ge- 
genstandes, den man lasirend behandelt, genüge, man muss, wie 
ich schon gesagt habe, alle Falten wieder durchgehen und ihnen 
vollen Ausdruck und ihre eigenthümliche Form geben. Es ge- 
schieht bisweilen, dass man mit dem Ton der ersten Lasur nicht 
zufrieden ist, In diesem Falle vollendet man sein Werk gleich- 
förmig und wenn es ganz trocken ist, so lasirt man es zum zwei- 
ten Mal, sei es um den Ton zu verändern oder nur um ihm 
einen Grad von Intensität mehr zu geben. Ich befürchte nicht, 
bei der Beschreibung dieses Verfahrens zu sehr in das Einzelne 
zu gehen, weil es sehr nützlich ist und ich mich immer an die 
Stelle derer versetze, für welche ich diesen kleinen Elementar- 
traktat gemacht habe, indem ich voraussetzen muss, dass ihnen 
alle diese Sachen unbekannt sind; die Uebrigen können über 
alles das, was sie schon wissen, leicht hinweggehen. 
Wenn man ein Gemälde wieder zur Hand nimmt, um es zu 
vollenden, nachdem man sich überzeugt hat, dass die Unterma- 
lung hinlänglich trocken ist 1), so bediene man sich, statt des 
sonst würde diese Lasur von gar keiner Dauer sein. Dies hat sich bei sehr 
vielen alten und neuen Malereien ereignet, in welchen die Lasur fast ganz ver- 
schwunden ist, dergestalt, dass mehrere ihrer Gewänder, die mit Lack oder 
schlechten gelben Farben lasirt sind, in ihren Lichtern fast ganz weiss gewor- 
den sind. Allein dies hat man mit den Farben, die ich bezeichne, nicht zu be- 
fürchten, diese sind vollkommen dauerhaft. 
1) Es ist sehr wesentlich, nicht eher eine Untermalung wieder vorzuneh- 
men, um sie zu vollenden, wenn sie nicht vollkommen trocken ist, sonst wird 
man sehen, wie das Werk schlechter wird, alle Töne sich verändern und in 
kurzer Zeit schmutzig werden, denn das Oel in den Farben der Untermalung 
wird durch die neuen Farben, welche man darüber auftragt, eingeschlossen, 
und dieses Oel, welches nicht mehr verdunsten kann, macht Alles nachdunkeln. 
Wenn man also die Untermalung für recht trocken erkennt, so kratze man mit 
einem Messer, welches vorn abgerundet und gleichmassig scharf ist, alle dicken 
Stellen und Erhöhungen ab, und um dieses recht sicher zu bewerkstelligen, so 
Stelle man sich so, dass das Licht ganz von der Seite auf das Bild falle und 
blos die Unebenheiten der Farbe und Erhöhungen derselben beleuchtet werden. 
Man muss vorsichtig und schonend dabei verfahren, indem man das Messer fast' 
gerade im rechten Winkel darauf halt und nur sehr leicht darauf drückt. Ist 
dieses geschehen, so wasche man die Untermalung mit vielem Wasser ab und 
bediene sich dazu eines grossen weichen Schwammes. Dies setzt man vier bis 
Bouvier, Oelmalerei. 4. Auß. 
        

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