Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Oelmalerei für Künstler und Kunstfreunde
Person:
Bouvier, Pierre Louis Ehrhardt, Adolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1333609
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1334769
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Erste Lection. 
Ultramarin. 
Weiss, welche denselben Lokalton haben muss, der durch die all- 
gemeine Lasur hervorgebracht ist. 
Man wird sehen, dass die auf diese Art gemachte Draperie 
einen allgemein sehr harmonischen und reinen Ton haben und 
man zwanzig Mal weniger Ultramarin gebraucht haben wird, als 
wenn man sie mit dicker Farbe übermalt hätte. Ueberdies würde 
man genöthigt worden sein, das schöne Blau durch Brechen und 
Vertreiben in die Schatten schmutzig zu machen, und darohne 
würde man blos eine Porzellan- oder Fayencemalerei erhalten haben. 
Man kann dieselbe Methode bei allen leichten Stoffen von 
zarter und delicater Farbe befolgen. Dergleichen sind die rosen- 
farbenen Stoffe, welche man mit schönem rosenfarbigen Krapp- 
lack lasirt, nachdem man zuvor die Schatten röthlich grau, oder 
auch in gewissen Faltenparthieen, die es erfordern, etwas rosen- 
farbiger, die schönsten Lichter aber bei der Untermalung blos 
mit reinem Weiss vorbereitet, wie wenn man Wäsche malte. 
Ebenso verfahrt man bei dem zarten Lila, dem Citronengelb 
und dem Grünlichen etc. Das Indischgelb thut Wunder bei 
der Lasur des Citronen gelben und kann auch gebraucht wer- 
den, um Meergrün zu lasiren, indem man es mehr oder weniger 
mit Ultramarin vermischt. Für das Lila mische man das reine 
hellste Ultramarin mit hellrothem Lack, mehr oder weniger 
von der einen oder anderen Farbe, je nachdem das Lila in's Blaue 
oder inis Rosenfarbene sich neigen soll. Man achte genau dar- 
auf, dass in alle diese lasirenden Töne nicht das geringste Weiss 
gemischt wird, sonst erhalten die Schatten und Halbtöne ein blin- 
des und mehliges Aussehen. Nur dem sehr dünnen und durch- 
sichtigen Tone der Lasur verdankt man die Intensität der Farbe, 
welche man zu erreichen willens ist, gleichsam als wenn man in 
Aquarell malte. Wenn man also den Lack oder das Ultra- 
marin sehr dünn ausbreitet, so erhält man eine Rosafarbe oder 
ein sehr zartes Blau. Tragt man es noch ein Mal so stark oder 
dick auf, so wird das Blau oder die Rosafarbe, wenn sie gleich 
aus der nämlichen Farbenmasse genommen ist, noch ein Mal 
so blau oder rosafarbig werden, und so in allem Uebrigen 1). 
Es versteht 
sich , 
dass 
man 
nur mit dauerhaften Farben lasiren muss,
        

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