Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Oelmalerei für Künstler und Kunstfreunde
Person:
Bouvier, Pierre Louis Ehrhardt, Adolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1333609
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1334740
30 
Lection. 
Erste 
Ultramarin. 
lasiren. 
Ich 
werde 
mich 
noch 
aber 
umständlicher 
dieses 
Ver- 
fahren einlassen, so wie es von den Alten und auch noch von 
den neueren Malern befolgt worden ist. Man weiss, dass keine 
Sache, kein Gegenstand im Schatten seine lebhafte Farbe bei- 
behält; wenn man nun dergleichen Gegenstände mit einem grauen 
oder gebrochenen Blau untermalt, so folgt ganz natürlich, dass 
wenn man sie mit reinem Ultramarin überall gleichförmig lasirt, 
die Lichter, wenn das Ultramarin auf reines Weiss gesetzt wird, 
sehr schön werden, hingegen behalten alle Schatten und Halbtöne 
etwas von ihrem grauen und sogar bräunlichen Ton, und dies 
bringt die verlangte Wirkung hervor 1). Diese Behandlung hat 
mit dem Tuschen 2) viel Aehnlichkeit, denn wenn man hierbei 
mit chinesischem Tusch die Schatten gemacht hat, so überzieht 
man die ganze Draperie mit sehr dünnem Blau. Ueberall, wo 
das weisse Papier für die grossen Lichter gespart ist, bleibt das 
Blau lebhaft und rein, dahingegen in den Schatten und Halb- 
tönen, die bereits mit chinesischem Tusch oder im Schatten mit 
einer etwas röthlichen Tinte gedeckt sind, das Blau viel trüber 
wird. Will man also eine mehr oder weniger hellblaue Draperie 
malen, die schön brillantblau werden soll, so lege man sie an, 
wie eben gesagt worden, mit einer Mischung von zwei Theilen 
Schwarz, einem Theil Berlinerblau und der für jeden Ton, wel- 
chen man machen will, nöthigen Quantität Weiss, um eine Reihen- 
folge von vier oder fünf verschiedenen Tönen zu haben, den einen 
für die stärksten Grade des Schattens, indem man ein wenig ro- 
then Ocker beimischt, bisweilen auch gelben Ocker, und die vier 
anderen mit immer mehrerem Weiss, stufenweise ohne Roth und 
1) Siehe die neunzehnte Lection über die Lasuren und deren Vorbereitimg. 
2) Das Tuschen ist eine Art von Halbmalerei, die auf weissem Papier mit 
flüssigen oder durchsichtigen herben gemacht wird, so wie man sich deren zum 
Illuminiren der Karten bedient. Die Aquarellmalerci hat eine viel grössere 
Abwechslung von Farben und nähert sich mehr einer wirklichen Malerei. Die 
getuschten Zeichnungen haben blos einige leichte Tinten von verschiedenen 
Farben und am öftersten tuscht man blos mit chinesischer Tusche oder mit 
Sepia, oder mit Bister etc. Man tuscht auch auf grauem oder anderem ge- 
färbten Papier, indem man die Lichter mit Weiss erhöhet, immer aber mit dem 
Pinsel und mit Farben, die leicht gummirt sind. 
        

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