Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Oelmalerei für Künstler und Kunstfreunde
Person:
Bouvier, Pierre Louis Ehrhardt, Adolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1333609
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1339696
Abnehmen 
späterer 
ebermalungen. 
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Befreiung derselben von der Ungebühr, die öfters spätere und 
rohere Zeiten nach ihrem Gutdünken durch Uebermalen kleinerer 
oder grösserer Stellen derselben an ihnen verübt haben, be- 
sprochen werden. Man hat in Landschaften Staffagen von Thie- 
ren und Menschen in einem passenden und unpassenden Massstab 
hineingemalt, man hat in die milde Farbenwirkung eines Bildes 
grelle und brillante Farben gebracht sowohl bei Gewändern wie 
beim Colorit, genug man hat die Intentionen und Charakteristik 
der früheren Meister in keiner Weise geachtet und hoch gehal- 
ten, wo überhaupt Derartiges geschehen konnte. Es ist Pflicht, 
gute alte Werke von den Folgen solcher Rohheit zu befreien, und 
liegt irgendwo gegründeter Verdacht vor, dass Derartiges vorhan- 
den sei, so kann ein geschickter Restaurator bei einem vorsich- 
tigen Versuch mit seinem Putzwasser dies leicht erkennen. Denn 
das Putzwasser, je nach seinem Stärkegrade, d. h. mit mehr oder 
weniger Spiritus, mehr oder weniger Terpentin, einem geringeren 
oder grösseren Zusatz von milderndem Oel oder Copaivabalsam, 
wird auf Farben, deren Auftrag viele Jahrzehnte,..ja Jahrhunderte 
auseinander liegt, eine sehr verschiedene Wirkung haben, sowohl 
durch die schnellere Lösbarkeit frischerer Farben gegen ältere, als 
auch durch die Verschiedenartigkeit der in verschiedenen Zeiten und 
in verschiedenen Schulen gebrauchten Bindemittel und Zusätze 
zum Oel. 
Wenn also durch einen vorsichtigen kleinen Versuch der Ver- 
dacht zur Gewissheit geworden ist, indem das Putzwasser hier 
gleich wirkte, während es an anderen Stellen des Bildes keinen 
Einfluss übte, so wird mit dem Putzwasser weiter der ganze un- 
rechtmassig aufgedrungene Zusatz fortgeschafft und so das Bild 
in seiner ursprünglichen Reinheit wieder hergestellt. Ausser den 
wesentlich inneren Gründen und der bei genauer Betrachtung 
sich etwa herausstellenden Verschiedenheit der äusserlichen Er- 
scheinung so verschiedenen Machwerks, wird zur Begründung und 
für die Ausdehnung dieser Art von Reinigung alter Bilder die ge- 
naue Beobachtung der Wirkung dieses auflösenden Mittels einen 
ziemlich sicheren lllassstab bieten.
        

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