Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Oelmalerei für Künstler und Kunstfreunde
Person:
Bouvier, Pierre Louis Ehrhardt, Adolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1333609
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1334640
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Lection. 
Erste 
Heller Krapplack. 
Gummiwasser angemacht und beständig der Mittagssonne aus- 
gesetzt waren. 
Was den rosenfarbenen Lack (Nr. 11) betrifft, so muss man 
die reinste Rosenfarbe wählen, die gar nicht in das Violette über- 
geht. Man kauft ihn in Körnern von der Stärke einer sehr klei- 
nen Erbse und darunter. Diese Farbe, welche dem Anschein 
nach sehr hell ist, hat dennoch Kraft und Intensität genug, wenn 
sie mit Oel angemacht wird, sowie auch mit Wasser, das aber 
stark gummirt sein muss, denn sonst würde es nicht mehr 
Kraft und Farbe zeigen als das Roth, womit die Damen sich 
schminken. 
Wenn die Krapplacke nicht gut gemacht sind, so ist ihre 
Farbe nicht nur unrein, sondern sie haben auch so wenig Kör- 
per, dass man sie übermässig dick auftragen muss, um die Pur- 
purfarbe zu erhalten, wodurch Erhöhungen und Unebenheiten 
von Farbe und fettem Oel entstehen, die dem Auge sehr unan- 
genehm sind. 
Ich habe eine Menge Versuche in Gummiwasser von allen 
Arten schöner Lacke aus England, Paris, Venedig und anderswo 
gemacht, und eben dieses habe ich mit den berühmtesten Car- 
minarten gethan. Allein da keiner dieser Lacke durch die Krapp- 
Wurzel seine Farbe erhalten hatte, so hat keiner derselben an 
der Sonne länger als drei oder sechs Wochen ausgehalten, nach 
deren Verlauf fast nichts als die Alaunerde übrig blieb, welche 
als Basis des Färbestoifes der Cochenille oder anderer Farbe- 
mittel dient 1). Hingegen blieben die guten Krapplacke seit 
dreissig Jahren fast ohne alle Veränderung. 
Die Vorzüge des Krapplacks sind heut zu Tage so entschie- 
den und anerkannt, dass es überflüssig sein würde, seine Eigen- 
schaften weiter anzupreisen. Wir sind den Chemikern wegen 
dieses kostbaren Geschenks grossen Dank schuldig. Man be- 
rechne sich die Dauer dieser Lacke in der Oelmalerei, da sie 
blos mit Gummiwasser angemacht und in einem Zeitraume von 
 
1) Wenn man über die Dauer der Farben Erfahrungen machen will, so 
muss man die Versuche mit Gummiwasser anstellen, dann lernt man den Grad 
ihrer Dauerbarkeit und Beständigkeit viel sicherer kennen.
        

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