Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Oelmalerei für Künstler und Kunstfreunde
Person:
Bouvier, Pierre Louis Ehrhardt, Adolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1333609
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1339652
Die 
Reinigung 
der 
Gemälde. 
Alle Gegenstände, die in gutem Zustande und möglichst lange 
erhalten werden sollen, müssen vor Schmutz bewahrt werden, zu- 
mal Kunstwerke, die, je weniger sie so gesehen werden kön- 
nen, wie der Künstler sie schuf, um so mehr an Bedeutung und 
Werth verlieren. Wie oft schon sind alte Gemälde gering geach- 
tet worden, die sich nach vollständiger Reinigung und Herstel- 
lung als ausserordentliche Kunstwerke erwiesen haben!  Gewiss 
also ist die Reinigung der Gemälde eine der nothwendigsten Ope- 
rationen guter Restauration, in vielen Fallen aber auch eine der 
bedenklichsten. Denn abgesehen davon, dass der oft Jahrhunderte 
alte Schmutz von Staub, Rauch, Dampf und Insecten sich fast 
unerweichbar erhärtet und fast unlösbar mit der Malerei verbun- 
den zu haben scheint, so treffen auch alle zur Reinigung ange- 
wandten Mittel vorzugsweise die obersten Schichten jeder Ma- 
lerei, die ihrer Natur nach die zerstörbarsten sind, weil sowohl 
die Farbe in dünnen und dünnsten Lagen aufgetragen ist, als 
auch, weil hierbei gerade lasirende Farben vielfach gebraucht 
sind, die schon an und für sich wenig Körper haben. So können 
denn die einfachsten und an und für sich gelindesten Mittel laus- 
serst verderblich werden. Wer ein ganz ausgetrocknetes Gemälde 
ohne Weiteres, wenn auch sonst behutsam, mit Wasser abwaschen 
wollte, der könnte leicht diese oder jene Farbe, wo das Oel seine 
schützende Bindekraft verloren hat, auch auflösen und mit ab- 
waschen; und wenn nun gar Risse und Sprünge in der F arben- 
masse sind, wo das Wasser eindringen "und unter "die Farbe ge- 
langen kann, so können diese Stücke zuweilen vollständig abge- 
hoben werden, wenigstens aber kann dadurch die ganze Farben- 
rnassenoch spröder, zu Sprüngen und Rissen geneigter gemacht 
und dem Abfallen naher gebracht werden. 'l'rotz aller dieser Be- 
denken muss aber doch selbstverständlich ein jedes Bild, das nicht 
rein ist, gereinigt werden, und zwar vor dem Abnehmen des Fir- 
niss eben so gut wie nach der Abnahme desselben, nach der 
Vollendung der zuletzt angegebenen Restaurationen, wie nach der
        

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