Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Oelmalerei für Künstler und Kunstfreunde
Person:
Bouvier, Pierre Louis Ehrhardt, Adolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1333609
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1339506
506 
Anhang. 
Erhaltung 
alter Gemälde. 
und gleichermassen wirken Wärme, Kälte, Feuchtigkeit auch auf 
das Gemälde ein, wenngleich letztere in einem viel geringeren 
Grade auf die Farben, als auf das Material der Flächen, auf denen 
gemalt ist, wie Leinwand, Holz u. dgl. m. Es ist eine fest-- 
gestellte Thatsache und Jedermann weiss sie, dass alle öligen 
Substanzen, je mehr des Lichtes beraubt, um so dunkler und 
gelber werden, und je mehr sie dem Lichte ausgesetzt werden, 
um so blasser und heller. Dagegen werden wenige Farben ohne 
reine Veränderung wiederholte und andauernde Einwirkungen des 
directen Sonnenlichts vertragen können. 
 Es ist ebenso bekannt, dass die Wärme alle Gegenstände 
ausdehnt, die Kälte dieselben zusammenzieht, und zwar je nach 
ihrer Beschaffenheit verschieden. Ein fortgesetzter starker Wechsel 
 der Temperatur, namentlich also auch directe und andauernde 
Einwirkung der Sonnenstrahlen, die noch dazu immer nur eine 
Fläche des Gemäldes treffen werden, muss eine immerwährende 
Bewegung aller einzelnen Partikelchen, und noch dazu in ver- 
schiedener Weise bei der Farbenmasse und bei der Substanz, 
welche dieselbe trägt, hervorbringen. Es liegt auf der Hand, dass 
dies ein sehr schädlicher Einfluss werden kann und jedenfalls mit 
der Zeit die Lockerung und Trennung der einzelnen Theile des 
Ganzen (verschiedenartig nach ihren Substanzen) herbeiführen 
wird. Andauernde Feuchtigkeit aber wird unmittelbar die Far- 
benmasse, so lange die öligen Bestandtheile derselben nicht ganz 
vertrocknet und verschwunden sind, zwar weniger angreifen, um 
so mehr aber die Leinwand oder das Holz, auf welchem ge- 
malt ist. 
Dass die schlechten Bestandtheile einer verdorbenen und un- 
reinen {ruft den Firniss und die Farben verderben, dass Rauch, 
Staub und jede Unreinlichkeit die Oberfläche aller Gegenstände 
und also auch die der Gemälde angreifen, die Farben unkenntlich 
machen, sich allmälig festsetzen, zumal in den kleinen Uneben; 
heiten, jenen unbedeutenden Erhöhungen und Vertiefungen fast 
aller Bildßächen,  das kann ein Jeder, sich leicht denken, der 
es nicht aus Erfahrung weiss.  
Aus allen diesen Erwägungen ergiebt sich, dass ein 
sehr reinlich gehaltener, gut gelüfteter Raum, der nach
        

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