Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Oelmalerei für Künstler und Kunstfreunde
Person:
Bouvier, Pierre Louis Ehrhardt, Adolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1333609
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1334621
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Erste Lection. 
Chinesischer Zinnober. 
lasirt wird. Er macht auch die rosigen Töne nicht so kalt als der 
reine Lack und weniger gelb als der Zinnober, wenn man das 
eine oder das andere mit Weiss vermischt. Es kommt also auf 
den Maler an, sich desselben mit Auswahl zu bedienen und ihn 
nicht überall auf's Gerathewohl zu verschwenden, denn sonst 
würde er in das Kalte und in eine weinartige Farbe verfallen. 
Es ist gewiss, dass der europäische Zinnober viel besser ist, um 
die Lokaltöne des Fleisches damit zu machen, indem man ihn 
mit Weiss und hellgelbem Ocker vermischt, es entstehen viel 
leuchtendere Töne daraus. 
Der Zinnober kann besonders in der Oelmalerei durch kein 
anderes ähnliches Roth ersetzt werden, denn der hellrothe Ocker 
wurde für eine schöne Carnation der Frauen und Kinder, selbst 
vieler Männer, keine hinlänglich frischen Töne hervorbringen. 
Der Vermillon oder chinesische Zinnober wird in kleinen 
Päckchen von ein oder zwei Zoll in's Gevierte verkauft. Das 
äussere Papier ist bunt mit chinesischen "Zeichen verziert und 
unter diesem Papier, das zur ersten Einhüllung dient, findet man 
ein zweites von der chinesischen Fabrik, welches schwarz und 
glänzend ist. Er ist viel theurer als der andere Zinnober, allein 
mit einem solchen Packet hat man auf lange Zeit genug, weil 
man nur wenig davon braucht, wie man aus den Anleitungen er- 
sehen wird, die ich zum Mischen der Töne für zwei Paletten 
geben werde (siehe die sechszehnte und achtzehnte Lection). 
Rosenfarbiger 
Krapplack. 
Dieser Lack, sowie alle übrigen Krapplacke, ist von er- 
probter Dauerhaftigkeit und einem sehr feinen Rosaroth. Leider 
hat man es noch nicht so weit gebracht, diesen Lacken etwas 
mehr Körper zu geben, denn alsdann liessen sie nichts zu wün- 
schen übrig. Nichtsdestoweniger so wie sie sind, kann man aller- 
dings sehr wohl damit zufrieden sein und diese Entdeckung, die, 
wie es scheint, erst seit fünfundzwanzig bis dreissig Jahren ge- 
macht worden, ist eine der wichtigsten, weil sie uns endlich mit 
einer carminrothen sehr dauerhaften Farbe bereichert hat, wel- 
ches vorher der Fall nicht war. Diese wohlthatige Eründung ist 
noch schätzbarer für die Miniaturinalerei, in welcher mit Gummi-
        

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