Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Oelmalerei für Künstler und Kunstfreunde
Person:
Bouvier, Pierre Louis Ehrhardt, Adolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1333609
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1339399
Der 
französische 
Firniss. 
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I 
nass sind, mit ihm zu bedecken und so auch diese zu übergehen, 
obgleich das jedenfalls so viel als möglich zu vermeiden sein wird. 
Es ist rathsam, das Bild vorher in der oben oft angegebenen 
Art zu waschen; dann aber hat man mit der sorgfältigsten Beob- 
achtung darüber zu wachen, dass dasselbe vollständig trocken 
und frei von aller und jeder Feuchtigkeit sei. Dies ist 
nicht genug einzuschärfen, denn die geringste, wenn auch ganz 
unmerkliche Feuchtigkeit bildet eine vollständige Scheidewand 
zwischen der darunter liegenden Malerei und dem Firniss, so dass 
nachher derselbe als sehr dünne Haut locker darauf liegen würde, 
wenn die Feuchtigkeit allgemein und gleichmässig verbreitet wäre, 
oder in unzähligen kleinen netzartigen Erhöhungen mannigfaltig- 
ster Form, wenn die Feuchtigkeit, und dies würde meistentheils 
"der Fall sein, immer zwischen einzelnen kleinen und kleinsten 
trockenen Stellen vertheilt wäre. Deshalb muss man ein abge- 
waschenes und vorläufig getrocknetes Bild doch vierundzwan- 
zig Stunden in einem warmen Raum stehen lassen, ehe man es 
mit diesem Firniss überzieht; d. h. also mit wenigen Worten, 
man muss das Bild an einem Tage waschen und erst am folgen- 
den Tage mit dem F irniss überziehen. 
Der Firniss ist sehr dünn und ohne alle Fettigkeit und trock- 
net bis zu einem gewissen Grade auf der Stelle nach ein Paar 
Secunden; in der Gebrauchsanweisung ist besonders hervorge- 
hoben, dass man keine Stelle mehrmals berühren muss, sondern 
erst am folgenden Tage, wenn er ganz trocken geworden ist. 
Man trägt ihn mit weichen und um so weicheren Pinseln auf, als 
die Malerei frisch ist, und muss dies also in Stellen oder Streifen 
vornehmen, die man in sich mit grösster Schnelligkeit fertig und 
glatt, bei ganz dünnem Auftrag und mit verstrichenen Rändern 
machen kann. Dann macht man nebenan ein anderes Stück oder 
einen anderen Streifen, immer möglichst dünn, immer mit thun- 
lichster Vermeidung eines neuen Uebergehens schon überzogener 
Stellen. Kleine Bläschen, wenn sie nicht sogleich von selbst ver- 
schwinden, zerstört man mit leiser Berührung des Pinsels, weil 
sie sonst trocknen und stehen bleiben. 
Sind kleine Stellen vom F irniss unberührt stehen geblieben 
zwischen den anderen getirnissten Stücken, so übergeht man sie
        

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