Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Oelmalerei für Künstler und Kunstfreunde
Person:
Bouvier, Pierre Louis Ehrhardt, Adolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1333609
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1339364
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Lection. 
Vierunddreissigste 
Restauration. 
Noch dringender widerrathe ich, irgend eine zarte Parthie, 
wie die Carnation oder einen Himmel übermalen zu lassen, 
sollte auch ein Loch in dem Gemälde bleiben, so ist dies weniger 
bedenklich, als ein übermaltes Gemälde zu haben, das dadurch 
seinen halben Werth und zugleich seine Unberührtheit verloren 
hat. Den Händlern wollen wir die Kunst überlassen, Bilder, die 
ihnen gehören, zurechtzustutzen, aber niemals dulden, dergleichen 
auf unseren Gemälden anzuwenden. Kenner lassen sich fast nie mit 
übermalten Gemälden täuschen, so geschickt dies auch gemacht 
sein mag, und wollen sie um keinen Preis haben. Es ist fast un- 
möglich eine zarte Parthie zu über-malen, ohne einen Fleck in das 
Gemälde zu machen. Will man die Retouche nicht sehen lassen, 
und das Alte mit dem Neuen in Uebereinstimmung bringen, so 
folgt natürlich, dass lnach einiger Zeit diese Parthie ihrerseits 
nachdunkelt und viel dunkler wird als das Uebrige. Will man 
im Gegentheil zum entgegengesetzten Mittel greifen und viel 
frischer malen, als der Localton des alten Gemäldes ist, so wird 
der Fleck sogeich sichtbar, anstatt sich nachher zu zeigen, kurz, 
es bleibt eine Schwierigkeit, woraus man sich nicht helfen kann. 
Man lasse sich also nicht durch schöne Versprechungen täuschen. 
Eben die Ursachen, welche auf die alte Malerei gewirkt haben, 
werden auch auf die neue wirken; mithin werden sie niemals 
vollkommen übereinstimmen, es sei denn bei einem Stück Drape- 
rie oder einem dunklen Grund oder irgend einer anderen ähn- 
lichen Sache von geringer Bedeutung. 
Wollen wir unsere Gemälde frisch erhalten, so vermeide man, 
sie Ausdünstungen aller Art, dem Rauch (besonders Tabacks- 
rauch), zerstörenden Dämpfen, etwa schwefelhaltigen, Miasmen 
wie die Latrinen sie aushauchen, mit einem Wort allen zu starken 
Gerüchen auszusetzen.  
Man vermeide auch die Feuchtigkeit, welche die metallischen 
Farben-aus Blei, Eisen, Quecksilber, Antimonium etc. wieder um- 
gestaltet. Man lasse niemals die Sonnenstrahlen auf seine Ge- 
mälde fallen, diese bringen überall Risse hervor und machen es 
bersten, sowie auch gar zu starke Stpbenhitze und Nahe der 
Feuerung. Jedoch entziehe man ihnen nicht das Tageslicht, das 
ihnen mehr nützlich als" schädlich ist. Ein Vorhang von Musselin
        

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