Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Oelmalerei für Künstler und Kunstfreunde
Person:
Bouvier, Pierre Louis Ehrhardt, Adolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1333609
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1339343
490 
Vierunddreissigste 
Lection. 
A bnehmen 
des 
Fimiss. 
Verfahren, 
den 
Firniss trocken und 
abzunehmen. 
mit 
den 
Fingern 
Man lege das Gemälde auf einen Tisch und bringe zum An- 
fang auf eine Ecke des Gemäldes, auf eine wenig bedeutende 
Stelle, etwas pulverisirtes Colophonium, mit welchem man mit der 
Spitze des Fingers die gewählte Stelle anreibt. 
Dies wird alsbald die Stelle in Staub verwandeln, und ist 
diese Parthie einmal angegriffen, so folgt das Uebrige ein Stück 
nach dem anderen von selbst und gerade der Staub von dem 
alten Firniss dient als Mittel und trägt dazu bei, alles Uebrige 
in Staub zu verwandeln. 
Man darf kein anderes Werkzeug als die Finger gebrauchen, 
weil man mittelst derselben fühlt, was man thut, und sie uns be- 
merkbar machen, wenn wir aufhören sollend 
Es erfordert Geduld, denn die Arbeit dauert lange. Man 
darf nicht zu lange auf einer und derselben Stelle reiben, be- 
sonders in der Carnation und da, wo man Lasuren vermuthen 
kann, aus Furcht, zu viel abzuschleifen und die Malerei anzugreifen. 
Es ist besser, anfangs das Gröbste wegzunehmen, und von Zeit zu 
Zeit den Staub wegzuschaäen, -um besser zu sehen, was man 
thut, aber ja nicht nass machen; man nimmt zu dem Ende eine 
Feder oder Hasenpfote, um diesen Staub abzuwischen, und bläst 
das Uebrige davon weg. Wenn das ganze Gemälde übergangen 
ist und überall matt erscheint, so reinigt man es noch mehr, 
aber ohne es nass zu machen, und man fängt von Neuem an, 
das abzuschleifen, was noch vom Firniss übrig geblieben sein 
könnte. Sieht man, dass eine Parthie keinen Staub mehr giebty 
so geht man weiter von einer Stelle zur anderen, aber nicht in 
einzelnen getrennten Parthieen, bis man überzeugt ist, dass der 
Firniss ganz abgenommen ist. Man kann wohl denken, dass gegen 
Ende des Reibens man mit noch grösserer Schonung zu Werke 
gehen IIIIISS; allein in keinem Fall darf man mit den Fingern 
stark auf die Leinwand drücken, theils um keine Höhlung hin- 
einzubringen, theils um die Malerei zu schonen 1). Man bemüht 
1) Um diesen Uebelstand zu vermeiden, muss man die linke Hand unter 
die Stelle halten, die man gerade reibt, dadurch wird ,die Leinwand gehalten 
und man weiss besser was man thut.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.