Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Oelmalerei für Künstler und Kunstfreunde
Person:
Bouvier, Pierre Louis Ehrhardt, Adolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1333609
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1339332
Weingeist abzunehmen. 
Firniss mit 
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für besser, den Firniss mit den Fingern trocken abzunehmen, wie 
ich jetzt erklären werde, besonders wenn das Gemälde nur zwei 
oder drei Jahre alt ist, weil in diesem Zeitraume die Farben 
noch nicht genug erhärtet sind, als dass sie von dem Weingeiste 
nicht sollten angegriffen werden können.  
Verfahren, 
den 
Firniss 
mit 
Weingeist 
abzunehmen. 
Van nimmt guten Weingeist, legt das Gemälde auf einen 
Tisch und benetzt einen Theil des Gemäldes einige Augenblicke 
hindurch mit einem reinen, feinen Leinwandlappen, ohne es stark 
zu reiben. Nach sieben bis acht Secunden wäscht man ganz ge- 
linde diesenTheil mit einem weichen in frisches und reines Was- 
ser getauchten Schwamm und wiederholt dies verschiedene Male, 
hört aber zur rechten Zeit auf, um das Gemälde nicht zu bescha- 
digen, wenn man sieht, dass der Firniss aufgehoben ist. So geht 
man von Stelle zu Stelle weiter, braucht. aber immer nur reine 
Stellen der Leinwand, weil man sonst die Stellen beschmutzt, die 
man reinigen will.  
Hat man auf diese Art das ganze Gemälde Stelle für Stelle 
gereinigt, so wäscht man es ganz und gar mit feinem Leinen und 
Wasser, wischt es dann trocken mit einem anderen Stück weicher 
und feiner Leinwand ab, um zu sehen, 0b noch von einigen 
Stellen der Firniss abzunehmen ist; ist dies der Fall, so wascht 
man sie mit Weingeist, wie man es zuerst gemacht hat, wäscht 
dann von Neuem mit frischem Wasser, trocknet sie ab etc. Wenn 
Alles trocken ist, stäubt man sorgfaltig mit einem Federwedel 
oder Fuchsschwanz den Staub und alle Fäserchen, die von der 
Leinwand könnten hängen geblieben sein, vom ganzen Bilde ab, 
und einige Stunden nachher kann man den neuen Firniss auf- 
tragen. Man muss wahrend dieser Arbeit sich wohl in Acht 
nehmen, zu stark zu reiben, besonders in der Carnation und 
überall da, wo man annehmen kann, dass der Maler lasirt hat; 
denn wenn man die Lasur für Unreinigkeit hält und sie wegnimmt, 
so zerstört man die Harmonie des Gemäldes.
        

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