Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Oelmalerei für Künstler und Kunstfreunde
Person:
Bouvier, Pierre Louis Ehrhardt, Adolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1333609
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1339308
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Dreiunddreissigste 
Lection. 
Firnissen. 
Das 
Wenn einige Augenblicke nachhervder gebrauchte Dachs- 
pinsel noch frisch und weich ist, wie dieses gewöhnlich ge- 
schieht, so muss man nicht versuchen, ihn zu reinigen, man 
streiche ihn auf dem Rande. der Tasse gut aus, damit so 
wenig Firniss wie möglich darin bleibt. In diesem Zustande 
lege man ihn, gegen den Staub verwahrt, auf ein reines Pa- 
pier und lasse ihn ruhig trocknen, bis man ihn einwickeln 
und eine Art von Papierfutteral darum machen kann, indem 
man sich in Acht nimmt, dass die Haare sich nicht krumm 
biegen, dies würde denselben eine verkehrte Richtung geben, 
die sich niemals verbessern liesse. 
Will man sich desselben ein ander Mal bedienen, so wickele 
man ihn mit Vorsicht auf und tauche ihn eine halbe Stunde 
in Terpentinessenz, dies wird den alten Firniss auflösen und 
der Pinsel wird wieder so geschmeidig wie zuvor. Sollte er 
es aber nicht sein, so muss man ihn von Neuem und so 
lange in Essenz tauchen, bis er vollkommen gut zu sein 
scheint und man nicht das geringste Körnchen nicht aufge- 
lösten Firniss mehr erblickt. Nichts ist so hinderlich, als 
wenn Körner von trockenem Firniss sich auf frischen Firniss 
setzen, diese sind gleichsam wie lauter Sandkörner, die man 
wieder abnehmen muss, nachdem sie Zeit gehabt haben, sich 
zu verhärten, was eben so langweilig ist, als auch lange 
dauert.  
Bei dieser ganzen Arbeit kann man die grösste Reinlichkeit 
nicht genug empfehlen, denn Staub und alle fremdartigen 
Körper sind wahre Plagen für die Malerei. 
Sollte man nicht genug Firniss auf das Gemälde aufgetra- 
gen haben, oder auf einer Stelle dergleichen fehlen, so lasse 
man ihn zwei oder drei Tage trocknen und trage alsdann 
eine neue Lage auf, aber sehr dünn. 
Wenn ein Zufall den Firniss des Gemäldes verdorben hat, 
oder wenn er durch zu starkes Abputzen blind geworden 
ist, so übergehe man ihn mit dem Pinsel nur einfach und 
sehr geschwind durch eine sehr dünne Lage ganz reiner 
Terpentinessenz, diese wird dem Firniss seinen Glanz und 
seine Durchsichtigkeit wiedergeben. Diese letzere Operation
        

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