Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Oelmalerei für Künstler und Kunstfreunde
Person:
Bouvier, Pierre Louis Ehrhardt, Adolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1333609
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1339289
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Lection. 
Dreiunddreissigste 
Das Firnissen. 
Der gewöhnlichste Fehler aller derjenigen, welche zum ersten 
Mal ürnissen, besteht darin, dass sie zu viel Firniss in den Pinsel 
nehmen, mithin auch auf das Gemälde; indessen darf man auch 
nicht in den entgegengesetzten Fehler verfallen, denn wenn der 
Pinsel zu trocken ist, so setzt er nicht genug ab, die Haare 
spreizen sich auseinander und lassen Streifen stehen, auf welchen 
der Firnjss nicht gehaftet hat. Ich überlasse es der Einsicht 
der Anfänger, die rechte Mittelstrasse zu halten. Uebrigens ist 
es gar keine schwere Sache, ein wenig Erfahrung setzt uns bald 
in den Stand, und wenn der erste Versuch nicht vollkommen 
gelungen ist, so wird der zweite besser ausfallen. Wenn sich 
der Firniss nach einigen Stunden vollständig festgesetzt hat 
und nicht mehr fliessen kann, so kann man das Gemälde an die 
Wand hängen, es wird uns dort weniger unbequem sein und nicht 
so viel Staub bekommen; vollständig trocken bis zu dem Grad 
von Härte, den es überhaupt erreichen kann, wird es je nach der 
Temperatur erst nach Verlauf von fünf oder sechs Tagen. Von 
da ab alsdann stäubt man das Gemälde mit einem weichen 
gut eingerichteten Federwisch ab oder, was noch besser ist, mit 
einem Fuchsschwanz und reinigt es, so wie man mit den übrigen 
Gemälden verfährt, man muss aber ganz leicht darüber wegfahren 
und nicht zu stark peitschen, denn sonst ritzt man denlzarten 
Firniss, oder man lasst blinde Spuren zurück, welche die schöne 
Durchsichtigkeit vernichten würden. 
Man kann bei dem Firnissen eines Gemäldes nicht Vorsicht 
genug anwenden, um sich von innen und aussen gegen Staub 
und gegen Insecten zu verwahren, die zu gewissen Jahreszeiten 
überall nmherfliegen. Sie haben eine grosse Abneigung gegen 
alle Oele und Firnisse, wodurch sie sichert umkommen, allein sie 
fliegen darauf zu, bleiben wider Willen daran kleben und man 
kann sie nicht wieder losmachen. Es würde sogar gefahrlich sein, 
wenn man dies thun wollte, es würde auf dem Gemälde einen 
Fleck zurücklassen, und das Klügste in einem solchen Falle ist, 
man warte, bis der Firniss ordentlich gefasst hat.  Alsdann be- 
müht man sich, das lnsect mit mögliohster Vorsicht abzunehmen, 
und da es nicht unter die Oberfläche hat "kommen können, son- 
dern nur auf der Oberiiäche sitzen geblieben ist, so kann man
        

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