Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Oelmalerei für Künstler und Kunstfreunde
Person:
Bouvier, Pierre Louis Ehrhardt, Adolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1333609
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1339191
Mastixürniss 
des 
Bereitung 
über Feuer. 
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Diese Flasche muss dieGestalt einer Birne haben; der Hals ziem- 
lich lang und der Boden so dünn wie möglich sein; der Bauch 
ungefähr fünf ZQll im Durchmesser enthalten. 
In dieses Glas schütte man vier Unzen männlichen Mastix 
in Körnern, der recht weiss, rein und gut ausgesucht ist. Hier- 
über giesst man, nicht dem Gewichte, sondern dem Umfange nach, 
eben so viel Essenz, als Mastix im Glase ist. Die Essenz muss 
höchst rectiiicirt sein, entweder aus Venedig oder von Chios, wenn 
man diese haben kann. 
Man verfertigt eine Art von papiernem Griff um das Glas; 
um es leichter halten zu können, ohne sich zu verbrennen. Zu 
dem Ende nimmt man ein grosses Blatt graues stark und gut 
geleimtes Papier, damit es steif und hart ist; dies faltet man der 
Länge nach vielfach auf einander und um den Hals der Flasche, 
wie ein Band, nachher dreht man es so lange um, bis es das 
Glas fest umschlossen halt; die Enden, welche sechs oder acht Zoll 
lang übrig geblieben sind, dreht man zusammen und bedient sich 
derselben statt eines Henkels. Man muss nur Acht haben, das 
Papier fest genug um den Hals der Flasche zu wickeln, damit es 
bei dem Aufheben nicht locker wird, und die Flasche durch den 
Ring des Papiers, der sie umgiebt, gehen kann; denn fallt sie in's 
Feuer, so zerbricht das Glas und die Essenz entzündet sich, was 
sorgfaltigst vermieden werden muss. 
Man halte den Kolben sechs bis acht Zoll über ein sehr ge- 
lindes Feuer, damit sich dasselbe nach und-nach an die Hitze 
gewöhnt, und dann immer ein wenig niedriger, indem man biswei- 
len die Finger darunter halt, um den Grad der Warme zu beur- 
theilen; so verfahre man drei bis vier Minuten, indem man es 
dem Feuer immer etwas naher halt. Während der Operation 
hält man das Glas beständig offen, und selbst nachher, bis Alles 
erkaltet ist. 
Es ist rathsam, dass man die Finger oft unter den Boden 
des Glases hält, um den Grad der Hitze zu beobachten, bei 
welcher man sich nicht die Finger verbrennen darf, selbst als- 
dann nicht, wenn es nur ein oder zweiZoll vom Feuer entfernt ist. 
Man lässtes sich noch etwas mehr erhitzen, sollte man aber 
merken, dass das Glas so heiss ist, dass es zerspringen könnte, so
        

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