Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Oelmalerei für Künstler und Kunstfreunde
Person:
Bouvier, Pierre Louis Ehrhardt, Adolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1333609
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1339137
und 
Bereitun g 
Gebrauch 
des 
Eiweissürniss. 
469 
Kaffeelöffel voll Spiritus Vini und ein wenig, aber sehr wenig, 
weissen Zuckerkand hinzugesetzt hat, den man zuvor in möglichst 
wenigem Wasser 1) hat zergehen lassen. Man schlägt Alles zu? 
sammen, entweder mit einer Federpose oder mit einem silbernen 
Löffel, bis fast Alles zu Schaum geworden ist. 
Ehe man das Eiweiss schlagt, hält man einen Schwamm in 
Bereitschaft, den man nass gemacht, ausgepresst und in Lein- 
wand getrocknet hat, so dass er die erforderliche Nässe und ge- 
hörige Weichheit hat.  
Den so zubereiteten Schwamm taucht man in den Schaum 
und fahrt damit geschwind und nach einer Richtung über die 
ganze Oberfläche des Gemäldes, ohne öfter als zwei Mal eine und 
eben dieselbe Stelle zu übergehen. Hierauf lässt man ihn trock- 
nen, welches nach Verlauf von fünf bis zehn Minuten geschehen ist. 
Ich muss erwähnen, dass der Schaum einige kleine Blasen 
auf der Leinwand zurücklässt; allein deshalb braucht man nicht 
besorgt zu sein, sie verschwinden unter den Fingerspitzen, wenn 
das Eiweiss ganz trocken ist. 
  Uebrigens giebt es ein Mittel, die Blasen des Schaums zu 
vermeiden, indem man die Leinwand mit dem Schwamme nur 
leicht. übergeht und eine und dieselbe Stelle nicht öfter als zwei 
Mal berührt; denn man darf keineswegs viel von dem Firniss 
auftragen, im Gegentheil so wenig als irgend möglich. Denn ge- 
rade deswegen macht man den Schaum, damit nur sehr wenig 
davon auf dem Gemälde haftet, um das Oel durch die Poren des 
Eiweiss verdunsten zu. lassen, was bei zu viel Dicke und Con- 
sistenz nicht geschehen könnte.  
Ich befinde mich hierbei mit mehreren Leuten in Wider- 
spruch, welche behaupten, man müsse sich eines solchen Eiweiss 
bedienen, das nicht in Schaum verwandelt ist und sich auf dem 
Boden des Gefasses befindet, weil dieses einen stärkeren-und 
1) Um dies gut zu machen, muss der Zuckerkand vorher fein gestossen 
sein, und auf dieses feine Pulver giesst man etwas sehr heisses Wasser. Dies 
muss vierundzwanzig Stunden vorher geschehen, damit fasg alles Wasser wieder 
verdunsten kann und nur so viel übrig bleibt, dass der Zucker flüssig und als 
ein dicker Syrup vorhanden ist.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.