Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Oelmalerei für Künstler und Kunstfreunde
Person:
Bouvier, Pierre Louis Ehrhardt, Adolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1333609
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1339100
Einunchlreissigste 
Lection. 
Von dem Eiweissfirniss und dessen 
malte Gemälde, so lange sie noch 
um den eigentlichen Firniss 
Anwendung auf frisch ge- 
nicht trocken genug sind. 
darauf zu bringen. 
Wenn man ein Oelgemalde fertig hat, so muss man es 
trocken werden lassen, bis keine Farbe mehr unter dem Finger 
klebrig erscheint. Man hat aber noch eine andere Manier, wo- 
durch man erkennt, ob es genug ausgetrocknet ist, um das Ei- 
weiss darauf bringen zu können: man haucht nämlich darüber. 
Sind die Farben noch zu frisch, so verschwindet der Hauch des 
Athems sogleich, oder er ist auf der Oberfläche der Farbe gar 
nicht sichtbar. Wenn hingegen der Hauch sehr sichtbar ist 
und er die Farben trübe und unkenntlich macht, indem er einige 
Augenblicke stehen bleibt, ohne zu verfliegen, so ist es ein Kenn- 
zeichen, dass sie trocken genug sind, um das hliweiss ohne Ge- 
fahr auftragen zu können. 
"Es lasst sich keine Zeit bestimmen, in welcher die Farben 
hinlänglich trocken sein müssen; dieses hängt von mehreren Um- 
ständen ab, als da sind, die Art des Oels und der Farben, die 
man gebraucht hat, der Dreistigkeit oder Furchtsamkeit, mit 
welcher die Farbe behandelt worden ist, hauptsächlich aber der 
Temperatur und des wirklichen Zustandes der Atmosphäre, ob 
sie warm oder trocken, feucht oder kalt ist. Im Sommer trocknet 
ein Gemälde in acht "oder zehn Tagen besser als im Winter in 
sechs oder acht Wochen. Man kann annehmen, dass es im 
Sommer zehn oder zwölf Tage bedarf, im Winter zweier Monate
        

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