Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Oelmalerei für Künstler und Kunstfreunde
Person:
Bouvier, Pierre Louis Ehrhardt, Adolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1333609
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1339053
Verfahren, mit Leim zu grundiren. 
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muss, so wird die Oberfläche der Leinwand sehr schön und eben 
und die Farbe an keiner Stelle dicker als an einer anderen auf- 
getragen sein. Wenn man sie gegen das Licht hält, so muss sie 
noch halb durchsichtig erscheinen, denn ein zu dickes Auftragen 
ist schädlich und macht die Farbe brüchig. Es ist gleichgültig, 
wenn man durch die Grundirung noch Spuren von den Fäden 
der Leinwand gewahr wird, wenn sie nicht allzu bemerkbar sind; 
dieses bildet ein kleines Korn, das bei einem Kopfe in natürlicher 
Grösse oder bei einer Landschaft durchaus nicht unangenehm 
ist. Ist aber die Leinwand für ein Portrait unter Lebensgrösse 
bestimmt, oder für ganze Figuren weit unter der natürlichen 
Grösse, so impastire man die ganze Oberfläche stärker, um sie 
ebener zu machen, so dass die Spuren des Gewebes nur in der 
Nähe kenntlich sind. Die Thonerde ist nicht dem Abspringen 
unterworfen, wenn sie gehörig mit dem Kleister verbunden und 
nicht zu dick aufgetragen wird, und aus diesem Grunde braucht 
man sie auch wahrscheinlich, um damit die Vorhänge weiss zu 
färben. Ich glaube in der That bemerkt zu haben, dass unter 
allen Mergelarten die Thonerde die geschmeidigste und unschäd- 
lichste ist, was die Wirkung betrifft, die sie auf Farben, mit 
, denen "sie in Berührung kommt, haben könnte. Der Mehlkleister 
enthält einen sehr starken BindestoH, der sogar mehrere Tage 
dem heissen Wasser widersteht, wenn er gut gemacht ist, was 
anderer Leim, besonders der holländische, nicht thut. Ueberdies 
hat er den grossen Vortheil, dass er die mit ihm vermischten 
Substanzen nicht dunkler macht, und dass er sehr absorbirend 
ist, dergestalt, dass ihn das Oel bis auf die Rückseite der Lein- 
wand durchdringen kann, wo es verdunstet und den Farben nur 
einen Theil des nöthigen Oels zurücklässt, um sie auf dem Ge- 
mälde fest zu machen. 
Man hüte sich, statt der kleinen Portion rothen Ockers die- 
selbe Quantität Zinnober oder irgend ein anderes Roth zu ge- 
brauchen, dies würde dem Gemälde sehr schädlich sein, indem 
der Zinnober dem Nachschwärzen ausgesetzt ist, weil er aus 
Schwefel und Quecksilber besteht. Man halte sich also an die- 
jenigen Farben, die ich als die unschädlichsten angeführt habe; 
übrigens kommt es nicht sowohl darauf an, eine schöne Orange-
        

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