Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Oelmalerei für Künstler und Kunstfreunde
Person:
Bouvier, Pierre Louis Ehrhardt, Adolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1333609
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1339035
Verfahren, mit Leim zu 
grundiren. 
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es sei nun, dass das Modell sich in der Stadt nicht lange auf- 
halten und so lange warten kann, bis die Untermalung trocken 
genug ist, um sie wieder zur Hand zu nehmen, oder auch aus 
anderen Gründen. Nun ist es aber unstreitig viel leichter, ein 
Portrait a la prima auf diese Grundirung als auf eine Oelgrundi- 
rung zu malen, weil, wie schon gesagt, die Farbe schnell auf der 
Oberfläche der Leinwand haftet und das Oel dergestalt eindringt, 
dass sie nach zwei oder drei, Stunden, ohne trocken zu sein, 
dennoch Körperlichkeit und Steifigkeit genug hat, um darauf ar- 
beiten zu können, ohne zu befürchten, die untere Lage aufzulösen, 
mit welcher sie sich dennoch gut verbindet. 
 Wenn.übrigens für gewöhnlich auch die Untermalung etwas 
schwieriger zu machen sein sollte, so hört diese Unbequemliehkeit 
ganz auf, wenn man das Gemälde wieder zur Hand nimmt, denn 
alsdann vertritt die Untermalung die Stelle der Oelgrundirung, 
und man malt darüber eben so leicht, als auf jede andere Unter- 
malung; mithin ist die Unbequemlichkeit nicht gross und die 
Vortheile sind entschieden. Man nennt diese Leinwand absor- 
birend, weil sie in der That schnell auf der Rückseite alles 
Oel aus den Farben der, Palettezieht, wodurch das Trocknen sehr 
beschleunigt und das Nachdunkeln der 'l"öne verhindert wird, da 
das überflüssige Oel nicht von der Seite der Malerei zu verdun- 
sten braucht, sondern seinen Durchgang auf der Kehrseite des 
Gemäldes findet. 
Verfahren, 
mit 
Leim 
Zll 
grundiren. 
 Man verfertigt einen guten Leim aus Stärke oder feinem 
Mehl, der letztere ist noch besser. Man giebt ihm die Consistenz 
des Kleisters, womit man Papier klebt, und wenndies gemacht 
und Untermalung fertig machen, ohne das Trocknen abzuwarten. Allein da 
man mit der ersten Untermalung niemals eine Arbeit von grosser Tiefe her- 
vorbringen kann, so bedient man sich dieser Methode blos, um seine Ideen 
auf die Leinwand hinzuwerfen. Dies nennt man eine gemalte Skizze, tmd nach 
diesem ersten Entwurf einer Composition führt man das grössere Gemälde sorg- 
fältig aus. 
Bisweilen ist man auch genöthigt, ein Portrait mit einem Male fertig zu 
machen, weil man das Modell nicht lange haben kann, um die Arbeit in zwei 
Zwischenzeiten vorzunehmen und gehörig trocknen zu lassen.
        

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