Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Oelmalerei für Künstler und Kunstfreunde
Person:
Bouvier, Pierre Louis Ehrhardt, Adolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1333609
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1339010
der 
Vortheile 
mit Leimfarbc. 
Grundirung 
457 
gemalt hat, auch diese vollenden oder wenigstens bis auf den 
Punkt übergehen kann, dass nur noch einige kleine Retouchen 
oder Lasuren zu machen nöthig sind, um das Gemälde zu voll- 
enden; 4) die Farbe, die man zu dieser Grundirung anwendet, 
ist so unschädlich, dass sie auf keine Art_und Weise den Farben 
des Gemäldes nachtheilig werden kann, und da sie gar kein Oel 
enthält, so absorbirt sie das in den Farben der Palette enthal- 
tene, so dass dieses viel leichter verdunstet, sowohl auf der Seite 
der Malerei, als auch auf der Kehrseite der Leinwand. Dies sind 
die hauptsachlichsten Vortheile, die wir nochieinzeln betrachten 
wollen. Aus alle dem, was wir bis jetzt gesagt haben, folgt na- 
tiirlich, dass alle Gemälde, welche auf diese Grundirung gemalt 
sind, sich viel längere Zeit sehr gut erhalten müssen, als die 
anderen, und zwar um deswillcn, weil man weder Bleiweiss noch 
Oel gebraucht hat. Ich kann nicht unterlassen, es recht sehr 
zu bedauern, dass so viele geschickte Künstler blos Farben ge- 
brauchen, die schlecht zubereitet, schlecht gereinigt und schlecht 
gerieben sind. Denn wie kann das anders kommen, wenn man die 
Bequemlichkeit benutzt, indem man überall auf Kaufleute stösst, 
die schon fertige Farben. in Blasen verkaufen, und zwar um einen 
sehr massigen Preis. Es würde unmöglich sein, dass die Farben- 
handler von ihrem Geschäft leben könnten, wenn sie ihre Farben 
dergestalt reinigen wollten, dass sie dadurch vollkommen und 
unveränderlich würden. Man hat sie zu gar zu niedrigen Preisen 
herabgesetzt. Dass die Menge der Schüler, die sich blos noch 
üben, diese Wohlfeilheit sich zu Nutze machen, ist zu billigen, 
denn ihre Arbeiten sind noch nicht von der Art, dass sie ver- 
dienen auf die Nachwelt zu kommen; allein dass geschickte Mei- 
ster nicht darauf Acht haben, dies ist betrübend. Wenn die 
holländischen und niederländischen Maler in der Wahl ihrer Far- 
ben nicht sorgfältiger und schwieriger gewesen wären, so würden 
wir wahrscheinlich jetzt nicht das Vergnügen haben, uns an der 
ganzen Reinheit ihrer Arbeiten zu ergötzen; man sehe, wie die 
italienischen Malereien sich weniger gut erhalten haben, weil sie 
die herben so brauchten, wie sie dieselben in den Fabriken er- 
hielten. Ich "berufe mich auf die Chemiker, welche behaupten, es 
sei zu befürchten, dass alle Meisterwerke, welche die grossen
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.