Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Oelmalerei für Künstler und Kunstfreunde
Person:
Bouvier, Pierre Louis Ehrhardt, Adolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1333609
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1338981
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Lecfion. 
Dreissigste 
Grundirung. 
noch so gleichmässig als möglich überall aufstreicht. Dieses ist 
nicht schwer, weil das Korn der Leinwand uns leitet, und man 
nachher leicht so viel wegstreicht, bis man sieht, dass auf einer 
Stelle nicht mehr ist, als auf der anderen.  
Die also mit dem grossen Messer aufgetragene Farbe dringt 
in das Gewebe der Leinwand und legt sich fest an dieselbe. 
Man darf nicht mehr auf die Ober-flache bringen, als hinreichend 
ist, um die Faden zu bedecken; denn wenn man mehr darauf 
bringt, so Würde dadurch die Leinwand schwer und zerbrechlich 
und auch kostbarer werden. Dies ist um so wichtiger, weil das 
Bleiweiss, als eine Bleifarbe, immer einen Grund bildet, welcher 
anderen Farben nachtheilig werden könnte, wenigstens wenn die 
Grundirung nicht sehr trocken ist, was aber erst kaum nach 
acht Monaten oder einem Jahre geschieht. Indessen giebt es 
keine andere Farbe, welche bei der Oelgrundirung die Stelle des 
Bleiweiss ersetzen könnte; allein man kann dessen entbehren, 
wenn man mit Leimfarben grundirt, wie wir bald sehen werden. 
Ist die Leinwand gleichmassig grundirt, so setzt man sie der 
freien Luft und selbst der Sonnenhitze aus, um das Austrocknen 
zu befördern. 
Einige mischen unter das Nuss- oder Leinöl einen Thcil 
Terpentinöl, um ihm mehr Flüssigkeit zu geben, allein dieses, 
Verfahren ist nicht gut, und es entstehen zwei Uebelstande 
daraus, die Leinwand wird nämlich brüchig und die Farbe der 
Grundirung dunkelt nach. Noch Andere machen eine Mischung 
von Oel und Wasser und schlagen beides zusammen, bis eine 
Art von Pomade daraus entsteht. Hiermit vermischen sie ihre 
Farbe, wodurch die Masse, ohne Zusatz von vielem Oel, flüssig 
genug wird. Ich habe dieses Verfahren nicht versucht, allein ich 
bin nicht abgeneigt, es für gut zu halten, insofern als das Wasser 
bald verdunstet und wenig Oel zurücklässt, das auch viel ge- 
schwinder trocknet, ja bei Weitem besser, als wenn man kein 
Wasser zum Oel mischt. Doch gebe ich zu bedenken, dass, wenn 
auch die Masse mit wenig Oel auf der Leinwand wirklich haftet, 
zu befürchten ist, dass die Grundirung sich stückweis abblättern 
und bei der geringsten Falte und Biegung der Leinwand bröck- 
lich werden kann, was ein grosser Nachtheil sein würde.
        

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