Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Oelmalerei für Künstler und Kunstfreunde
Person:
Bouvier, Pierre Louis Ehrhardt, Adolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1333609
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1334576
Indisch 
Gelb. 
Anwendung desselben. 
tikelchen tingirt und nicht nur zum Lasiren brauchbar, son- 
dern auch um die verschiedenen Ocker oder das Neapelgelb da- 
mit zu mischen, wenn man diese Farben brillanter machen und 
in ein glänzendes schönes Gelb verwandeln will; da es aber an 
und für sich nicht Körper genug hat, so muss man es nicht zum 
Impastiren 1) gebrauchen, denn es deckt ganz und gar nicht. 
Dieses Gelb ist noch nicht sehr bekannt; es kommt aus Eng- 
land, und ich glaube, dass ich einer der Ersten bin, der es auf 
dem Continent bekannt gemacht hat. Es ist ziemlich theuer 
und wird in London die Unze für 6 Schilling, das ist ungefähr 
für 6 Franken verkauft. Allein es ist übrigens so leicht und so 
sehr ergiebig, dass man mit einer Unze viele Jahre ausreichen 
kann; denn man braucht nur wenig davon.  
Man muss es gut aussuchen. Es giebt sehr viel, dessen 
gelbe Farbe in's Grünliche spielt. Dies ist zum Lasiren des Grün 
in den Landschaften und für viele andere Dinge sehr gut. Ich 
ziehe aber das von goldgelber Farbe vor, von der Farbe der 
Blume, die man Tausendschönchen nennt, weil man dieses ge- 
brauchen kann wozu man will, zum Grün, zum Lasiren eines 
glänzenden Gelb für Gewänder, Blumen etc. Man muss sich 
aber sehr wohl hüten, damit in die Fleischtöne oder in einen 
Himmel zu kommen, denn seine stark farbende Eigenschaft würde 
alle übrigen Farben aufheben und man würde sie selbst kaum 
wieder vertilgen können. Allein ich wiederhole es nochmals: das 
Indisch Gelb kann durch kein anderes Gelb ersetzt werden, 
um damit über Ocker und Neapelgelb zu lasiren, wenn diese 
letzteren Farben trocken sind. Man erhält alsdann ein Gelb, 
dem kein anderes in Ansehung der Schönheit nahe kommt. Man 
bedient sich desselben auch mit Nutzen, um einige Töne zu mo- 
dificiren, wie ich in der Folge zeigen werde, indem man es bald 
mit den Ockern, bald mit Berlinerblau, bald mit Lack, bald mit 
Ultramarin vermischt, so wie es die Lasuren oder die Vorberei- 
tungen dazu mit sich bringen, welche man zu machen gedenkt 2). 
 
1) Stark und dick auftragen. 
2) Bei der Anwendung aller Lasurfarben vergesse man nicht, Trockenöl 
oder Trockenfirniss hinzuzusetzen und besonders bei denen, welche nicht leicht, 
trocknen. Nur beim Weiss macht man niemals davon Gebrauch.
        

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