Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Oelmalerei für Künstler und Kunstfreunde
Person:
Bouvier, Pierre Louis Ehrhardt, Adolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1333609
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1338975
Grundirul 
der 
Leinwand mit Oelfarbe. 
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Faden und Fasern der Leinwand sich fest anlegen. Man über- 
streicht es mit einem starken Pinsel, der zwei Zoll im Durch- 
messer und drei Zoll lang ist, und lasst die Leinwand an der 
Luft ganz trocken werden, welches je nach der Jahreszeit ein 
oder zwei Stunden erfordert. 
Ist die Leinwand getränkt und trocken geworden, so werden 
sowohl die Knoten als auch die Fasern 1) leicht mit Bimstein ab- 
geschliffen und aller Sand des Bimsteins abgekehrt. Hierauf 
überzieht man die Leinwand mit einer sehr dicken und ziemlich 
gut geriebenen Oelfarbe. Man nimmt zu diesem Ueberzuge Blei- 
weiss und mischt dies bald mit einem wenig Weinrebenschwarz 
oder einem anderen guten Schwarz, um ein Perlengrau zu er- 
halten; bald ein wenig rothen Ocker mit einem Atom von Schwarz, 
wenn man den Ton etwas röthlich haben will; oder endlich ein 
Drittheil hellgelben Ocker und etwas rothen Ocker, wenn man, 
so- wie ich, die gelb-rothe Farbe allen übrigen verzieht; allein 
im letzteren Falle setzt man kein Schwarz hinzu, und in den 
beiden vorhergehenden Fällen nur sehr wenig und nur so viel, 
als nöthig ist, um die starke Helligkeit des Bleiweiss, welches die 
Hauptfarbe des Ueberzugs ausmacht, zu mildern. Diese Farbe 
muss so dick sein, dass "sie sich nurwie eine zarte Salbe aus- 
breiten lasst, und man setzt daher nicht so viel Oel hiiiziu als 
bei den Farben in Blasen. Um"diesen Ueberzug auf die Leinwand 
auszubreiten, nimmt man entweder eine grosse eiserne Klinge, die 
zwanzig Zoll lang und zwanzig Linien breit ist, oder eine solche 
von Buchsbaum oder Horn von eben der Grösse. 
Diese Messerklinge muss sehr glatt und zugleich stark genug 
sein, dass man stark damit drücken kann, ohne Gefahr, sie zu 
zerbrechen; denn wenn man gar nicht darauf drücken wollte, so 
würde die Farbe nicht in die Zwischenräume der Leinwand ein- 
dringen und nicht alle Löcher ausfüllen.  
Man verrichtet diese Arbeit im Stehen und blos mit dem 
Arme, indem man viel Farbe auf das Messer nimmt, aber den- 
1) Man muss einen Bimstein gebrauchen, der vier bis fünf Zoll im Durch- 
messer hat, der unten gut geschliffen ist, wie ich oben Seite 449 gezeigt habe. 
Er wird im Verhältniss zu der Grösse der Leinwand genommen.
        

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