Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Oelmalerei für Künstler und Kunstfreunde
Person:
Bouvier, Pierre Louis Ehrhardt, Adolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1333609
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1338900
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Neunundzwanzigsto 
Lection. 
Leinwand. 
oben steht, fest. Hieraui verfahre man eben so mit den beiden 
anderen Seiten, bis auf allen vier Seiten des Rahmens drei Nägel 
eingeschlagen sind. Man wiederholt dieses Verfahren von Neuem, 
und macht zwei andere Nagel rechts und links auf allen Seiten 
fest, und so fort, bis die Leinwand nicht weiter locker ist, als 
zwei oder drei Zoll breit an allen vier Ecken. 
Dass man, ehe man jeden Nagel einschlägt, die Leinwand 
zuvor straff angezogen und mit der Zange gefasst haben muss, 
bedarf keiner Erklärung und versteht sich von selbst; aber wie 
dieses Fassen angefangen werden muss, ohne die Leinwand zu 
zerreissen, und wie man sie nach und nach durch kleine Rucke 
anziehen muss, will ich jetzt erläutern. 
Um die Leinwand anzuziehen, ohne sie zu zerreissen, nimmt 
man sie unterwarts doppelt, auf der Stelle, wo die Zange ein- 
greifen kann, und setzt die Backen dergestalt ein, dass sie 
die Leinwand von einem Ende dieser Backen zum anderen gleich- 
förmig fassen, das heisst, die Backen müssen mit dem Rande des 
Rahmens parallel in einer Linie stehen, ohne die Leinwand zu 
verdrehen, so dass sie dieselbe gleichmässig in dem ganzen ge- 
fassten Theile anziehen, was also mit der ganzen Breite der Backe 
geschehen muss.  
Nachdem man die Leinwand mit den Fingern unterwarts ver- 
doppelt hat, fasst man sie mit der Zange, indem man den Ell- 
bogen und den Griff der Zange etwas hebt, und nach und nach 
in kleinen Rucken niederlasst, indem man die untere Backe gegen 
das Rahmenholz stützt, wodurch die Hand mehr Kraft erhält, 
und auf diese Art zieht man die Leinwand (jedoch mit aller Vor- 
sicht) so lange an, bis man merkt, dass sie zu sehr widersteht. 
Ohne die Zange, deren Backen jetzt viel niedriger stehen, als zu- 
vor beim Anfangen, fahren zu" lassen, und indem man immer die 
Backen gegen das Rahmenholz unterwarts stemmt, ergreift man 
die Pfrieme mit ihrem Heft, sticht das Loch mitten durch die 
Leinwand und in die Mitte der Starke des Holzes, nimmt einen 
Nagel, den inan mit den Lippen halt oder nahe. bei sich hat, 
und steckt ihn in das vorgestochene Loch, schlägt ihn mit dem 
Hammer ganz ein, und nun erst lasst man die Zange los. S0 
verfahrt man bei jedem Nagel, indem man sich in Acht nimmt,
        

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