Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Oelmalerei für Künstler und Kunstfreunde
Person:
Bouvier, Pierre Louis Ehrhardt, Adolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1333609
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1334540
10 
Erste 
Lection. 
Gelb, Neapelgelb. 
den, mithin müssen sie Körper und Dichtigkeit 
in der Oelmalerei die Leinwand zu decken. 
genug 
haben, 
1.1111 
Gelb. 
Neapelgelb. 
Dieses Gelb ist das einzige helle Gelb, welches gut ist. Für 
Landschafts- und Blumenmaler ist es unentbehrlich, auch braucht 
man es häufig in allen übrigen Abtheilungen der Malerei. Allein 
niemals muss man sich desselben bedienen, um es in die Licht- 
parthieen des Fleisches zu mischen. Der gelbe Ocker ist unend- 
lieh besser; denn ausserdern, dass das Neapelgelb etwas in's 
Grüne spielt, greift es verschiedene andere IParben an, und da es 
Arsenik  enthält, so zerstört es besonders die weisse Farbe und 
den Zinnober. Es kann aber in den Reflexen der Carnation auf 
der Schattenseite mit Nutzen gebraucht werden. Es deckt sehr 
gut, und da es in diesen wenig brillanten Parthieen die Stelle 
des Weiss vertreten soll, so kann man statt des Zinnobers sich 
des hellen rotlien Ockers bedienen. Hier ist dies Gelb sehr gut, 
und sogar viel besser als das Weiss, weil es nicht so undurch- 
sichtig, schwer und kalt ist. Es ist auch vortrefllich, um damit 
die Blätter der Baume in den grossen Lichtmassen der Laub- 
parthieen zu höhen, iiir gelbe Metalle, sowie um Blumen und 
hellgelbe Gewänder zu malen. Mit Berlinerblau oder Ultramarin 
vermischt, macht es sehr schöne hellgrüne Töne. Das Reiben 
desselben muss mit vieler Reinlichkeit geschehen, es darf niemals 
1) Ein Künstler hat mir versichert, dass es ihm gelungen sei, das Neapel- 
gelb vollkommen zu reinigen und ihm seine schädlichen Eigenschaften zu be- 
nehmen, ohne ihm die angenehme Farbe zu rauben und zwar durch wieder- 
holtes Auswaschen in heissem Wasser. Er schüttet sein Gelb in einen grossen 
neuen glasirten Topf und stellt denselben, mit heissem Wasser angefüllt, in 
eine Stube oder massig warmen Ofen, so dass eine beständige Ausdünstung, 
ohne zu kochen, unterhalten wird. Die Farbe wird mehrmals des Tages mit 
einem kleinen Stabe umgerührt, jedoch vor dem Umrühren nimmt man sorgfäl- 
tig den Schaum ab, der sich oben gesetzt hat, und alsdann giesst man von 
Neuem Wasser hinzu. Dies Verfahren ist langweilig und besonders sehr ge- 
fährlieh, ja es kann sogar tödtlich werden, wenn man die arsenikalischen 
Dampfe einathmet.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.