Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Oelmalerei für Künstler und Kunstfreunde
Person:
Bouvier, Pierre Louis Ehrhardt, Adolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1333609
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1334533
Zinkweiss. 
Bleiweiss, Antimon", 
Wenn alles Weiss gerieben und wie ein ziemlich dicker Brei 
ist, so giesst man über dasselbe ungefähr ein Trinkglas voll 
guten weissen destillirten Weinessig. Man rüttele und rühre das 
Ganze stündlich den ganzen Tag über, und zwar mit einem neuen 
thönernen Pfeifenstiel, Welcher vom Weinessig nicht angegriffen 
wird. Wenn der Weinessig gut und wohl destillirt ist, so wird 
er alle kleinen iremdartigen Theile, welche in dem Weiss sich 
finden können, reinigen, dergestalt, dass nichts übrig bleibt, wel- 
ches die Farbe unscheinbar machen könnte. Die so zubereitete 
Farbe liefert ein sehr vollkommenes Weiss, allein man muss durch 
sorgfältiges Auswaschen allen Weinessig ausziehen, so lange, bis 
das über dem Weiss stehende Wasser (nachdem man es hat 
ruhen lassen) gar keinen säuerlichen Geschmack an sich hat, 
wenn man es auf der Zunge probirt. Wird dieses Weiss wieder 
mit reinem Wasser aufgerieben, und zwar wenigstens drei Mal, 
so ist es von ganz vorzüglicher Güte. Bedient man sich dessel- 
ben mit Gummiwasser zur Gouachemalerei, so ist es leicht, sehr 
zart und glänzt nicht auf dem Papier wie das Kremserweiss, das 
nicht so zubereitet ist. 
Zum Gebrauch in der Aquarellmalerei muss man nur den 
Schaum und den Rahm davon nehmen, der sich darüber bildet 
und den man mit weissem Besenreis, das abgeschält und ohne 
Rinde ist, oder mit einem Quirl, gut durch einander peitscht, so 
wie man Eiweiss zu Schaum wie Schnee schlagt. Dieses Weiss 
ist auch zur Miniaturmalerei vortrefflich, für diese letztere Art 
Malerei mischt man jedoch die Hälfte Alaun oder Alaunerde 
hinzu, wodurch das Weiss sehr leicht wird. 
Die Chemie hat noch andere sehr schöne weisse Farben ent- 
deckt, von welchen man behauptet, dass sie sich ganz und gar 
nicht verändern, welchen Ausdünstungen sie auch ausgesetzt seien. 
Ich habe keine Gelegenheit gehabt, diese weissen Farben zu ver- 
suchen, mithin kann ich darüber nicht urtheilen; da sie aber in der 
Folge bekannter werden können, so will ich sie hier erwähnen. 
Eine von diesen weissen Farben wird aus dem Spiessglaskönig 
zubereitet, oder mit anderen Worten, aus dem Schnee oder den 
Silberblumen des Regulus antimonii; die andere wird aus den 
Zinkblumen verfertigt. Beide Arten sind aus Mineralien entstan-
        

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