Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Oelmalerei für Künstler und Kunstfreunde
Person:
Bouvier, Pierre Louis Ehrhardt, Adolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1333609
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1338579
der Paletten. 
Reinigung 
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wegnehmen, was anfängt zu trocknen und zähe zu werden, be- 
sonders alle die kleinen Versuche mit dem Pinsel, die, da sie 
unbeträchtlich sind, viel geschwinder trocknen, als die Häufchen, 
von welchen sie genommen sind. 
Diese kleinen Versuche müssen sogar öfter den Tag über, 
je nachdem sie sich auf der Palette anhäufen, abgenommen wer- 
den, damit man an deren Stelle neue machen und sich besser 
zurecht finden kann. 
Es ist wahr, man findet in diesen zerstreuten Pröbchen 
häufig Töne, die genau zu dem Ton passen, den man sucht, da- 
her muss man nicht zu sehr eilen, um sie wegzubringen; 'a1lein 
man muss wenigstens alle Stunden sie absetzen, abwischen, mit 
etwas Oel darübergehen etc., mit einem Worte, die Palette rei- 
nigen, um freien Platz zu haben und nicht genöthigt zu sein, 
Farben zu gebrauchen, die nicht gut genug sind, mit Erfolg an- 
gewandt zu werden. Man wirft alle diese Versuche auf einen 
verlorenen Winkel der Palette, oder noch besser auf ein Stück- 
chen Papier. Jedes Mal, wenn man die zerstreuten Farbenver- 
suche abnimmt, gehe man mit dem spitzen Winkel des Spachtels 
um die kleinen Häufchen herum, ohne sie aufzurühren, sondern 
blos um sie von allen schon zähen und unreinen Rändern frei 
zu machen. So weitläufig alles dieses zu beschreiben ist, so ist 
es doch bald geschehen, und ausserdem ist es sowohl für das 
Modell als für uns selbst nicht übel, wenn man auf diese Art 
einige Augenblicke Erholung hat 1). 
Ueberhaupt muss man sich nicht vorstellen, dass der Stand 
des Malers ein Beruf zum Müssiggang sei, und dass es nichts als 
Vergnügen dabei gebe; im Gegentheil, es ist ein Zustand, der 
vielleicht die meiste Thatigkeit erfordert, denn man ist beständig 
beschäftigt, wenn nicht mit der Kunst an und für sich, doch mit 
dem Material der Kunst. 
 
1) Alle diese Aufmerksamkeit und diese äusserste Reinlichkeit sind uner- 
lässlich, wenn man Portraits oder ganze Figuren unter Lebensgrösse malt, 
Z. B. einen Kopf von drei oder vier Zoll und darunter, weil die geringste Un- 
reinigkeit dann ungeheuer gross erscheint, und ausserdem die Farben des Ge- 
mäldes sich viel reiner erhalten; will man ein wenig in irgend einer Beziehung 
in dieser Vorsicht nachlassen, so muss man in natürlicher Grösse malen-
        

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