Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Oelmalerei für Künstler und Kunstfreunde
Person:
Bouvier, Pierre Louis Ehrhardt, Adolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1333609
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1338438
Reinigung 
der Pinsel. 
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sorgfältig ausdrücken, damit nichts mehr darin sei, was sonst in 
die Farbe käme, die man damit von der Palette nimmt. Wenn 
man die Pinsel weglegt, entweder auf den Draht des Pinseltroges, 
oder in eine Schachtel, oder in die Schubladen des Farbenkastens, 
so muss man sich wohl in Acht nehmen, dass die Pinselspitzen 
nicht anstossen, denn sie werden verbogen und bleiben am Ende 
krumm, was sich nie wieder gut herstellen lässt. 
Man kann den Anfängern Ordnung und Reinlichkeit in allen 
Geräthschaften nicht genug empfehlen, sie müssen sich bei Zeiten 
daran gewöhnen, sonst wird man an ihren Arbeiten immer den 
Mangel an Reinlichkeit in ihrem Malapparat gewahr werden. 
Also die Paletten, Pinsel, Oele, das Innere des Nlalkastens und 
selbst die kleinen leinenen Lätppchen oder Nlallappen 1), alles die- 
ses verlangt Aufmerksamkeit und beständige Erhaltung. Wenn 
man dieses täglich beobachtet, so kostet es weniger Mühe, als 
wenn man Alles in einem schmutzigen Zustande liegen lässt und 
dann einmal einen ganzen Tag darauf verwenden muss, um es 
wieder zu reinigen. Nichts hindert und stört einen Maler mehr 
bei der Arbeit, als wenn immer schlechte Geräthschaften aller 
Art in seinen Händen sind. Es kostet oft die Arbeit eines hal- 
ben Tages, um aus der Farbe, vom Gemälde, aus den Pinseln 
und anderen Gerathschaften alle Arten von Unreinigkeiten wieder 
wegzubringen. Man unterlasse daher nicht, in seinen Sachen 
täglich eine gute Ordnung und vollkommene Reinlichkeit zu er- 
halten, man gewinnt hundertfach an Zeit durch die Annehmlich- 
keit, immer gute Geräthschaften, Farben u. dgl. zu haben. 
Damen und Kunstfreunde, die sich nicht entschliessen kön- 
nen, ihre Geräthe selbst rein zu halten, müssen sich wenigstens 
bemühen, zu dieser Arbeit einen Diener einzurichten, und sie thun 
wohl, im Anfang mehrere Tage darauf Acht zu haben, damit Alles 
S0 geschieht, wie es sein soll, denn vom Gegentheil haben sie 
nichts als Verdruss und Unannehmlichkeiten. 
1) Mallappen nennt man kleine Läppchen, die man zum Abwischen der 
Palette und Pinsel gebraucht. Man macht sie aus Stückchen von altem Lei- 
nen oder Hanf, die von Kattun lassen zu viel kleine charpieähnlißhe Fäden 
zurück, sowie auch die von gar zu alter Leinwand. Um diesen Uebelstand zu 
Vermeiden, ist es gut, die Mallappen zu säumen.
        

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