Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Oelmalerei für Künstler und Kunstfreunde
Person:
Bouvier, Pierre Louis Ehrhardt, Adolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1333609
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1338326
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Dreiundzwanzigste Lection. 
Die Werkstatt. 
wurf ändern, den man aus einer grösseren Entfernung aufge- 
zeichnet hatte, denn dadurch würde die Perspective des Ganzen 
unrichtig werden. Auchohne meine Erinnerung wird man ein- 
sehen, wie sehr nothwendig es ist, vorher schon die Gewissheit 
zu haben, dass die Aufzeichnung richtig ist. 
Die Werkstatt kann so eingerichtet sein, dass, wenn man das 
Modell neun oder zehn Fuss von sich entfernt, das Tageslicht 
nicht mehr mit hinlänglicher Kraft auf dasselbe fallt; in diesem 
Fall muss sich der Maler selbst zurückziehen, damit für sein 
Modell von dem schönen Lichte, von welchem es beleuchtet wer- 
den soll, nichts verloren geht, oder wenigstens das Modell nur 
einige F uss zurücksetzen und sich selbst dann eben so viel. Diese 
Einrichtungen sind sehr von dem Local abhängig, wo man das 
Modell sitzen lasst, und von der Stelle des Fensters in der Werkstatt. 
Das Fenster, von welchem das Licht herkommt, muss so viel 
als möglich in der Mitte des Zimmers sein, aber zwei oder 
drei Fuss näher nach der Wand, gegen welche der Maler mit dem 
Rücken sitzt, als auf der anderen Seite, wo der gewöhnliche Platz 
seiner Modelle ist, denn ich wiederhole es nochmals, dass es we- 
sentlich ist, hinter dem Stuhl der Modelle einen hinlänglich grossen 
Raum übrig zu haben, theils um sie nöthigenfalls mit den Rahmen, 
von denen ich gesprochen, zu umstellen, theils, weil die Wände, 
indem sie dem Modell zu nahe sind, alsdann fast eben so be- 
leuchtet sein würden, als das Modell selbst, mithin einen schlechten 
Hintergrund machen und wenig geeignet sein würden, den Kopf 
passend und angenehm loszuheben. 
In Betreff der Entfernung, in welcher der Maler sein Modell 
stellen muss, will ich noch ein Wort hinzufügen. Die Bedin- 
gung einer gewissen Entfernung, die ich angegeben habe (beson- 
ders bei Portraits in ganzer Figur), ist so wesentlich, dass selbst 
die kurzsichtigsten Augen sich derselben unterwerfen müssen, in- 
dem sie sich der Ooncav-Brillen bedienen können,- wenn das Auge 
die Gegenstände in dieser Entfernung nicht unterscheiden kann. 
Oben habe ich gesagt, dass dein Maler das Licht von der 
linken Seite haben muss, und die Gründe dazu angeführt; dessen- 
ungeachtet geschieht es häiuüg, dass der Maler das Gegentheil 
thut, theils um den Effect seiner Arbeit zu verändern, theils, weil
        

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