Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Oelmalerei für Künstler und Kunstfreunde
Person:
Bouvier, Pierre Louis Ehrhardt, Adolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1333609
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1338314
Grösse, Verhältniss der Werkstatt. 
387 
Auch 
IllllSS 
der 
Künstler 
selbst 
hinter 
sich 
einen 
freien 
Raum 
haben, damit er von Zeit zu Zeit aufstehen und sich von seinem 
Gemälde fünf bis sechs Fuss entfernen könne, um desto besser 
über die allgemeine Wirkung seiner Arbeit urtheilen zu können. 
Das Zimmer muss wenigstens fünfzehn bis achtzehn Fuss nach 
jeder Seite haben, und wenn mehr möglich ist, wird dies nur 
um so besser sein. In einem engen Loeale nach der Natur 
zu malen, ist zwar nicht unmöglich, allein dann sind die Wände 
dem Modell zu nahe und es erhält Reflexe, welche für den Künst- 
ler sehr störend sind und allmälig dem Gelingen seiner Arbeit 
schaden. Wenn man blos ein Gemälde copirt, so sind diese 
Uebelstände weniger störend. 
Malt man Jemanden vom Kopf bis auf die Füsse, so ist es 
schlechterdings nothwendig, das Modell noch weiter von sich zu 
entfernen, sonst würde man gegen eine angenehme Perspeetive 
verstossen. Wenn dann der Maler seine Blicke auf die Kniee 
des Modells richtete, so könnte er seine Figur noch so treu 
zeichnen, wie er sie da sieht, es würde jederzeit eine unange- 
nehme Wirkung zur Folge haben, das Modell würde ein unge- 
schicktesiAussehen bekommen, und alle Beiwerke, Stühle, Tische 
und selbst der Fussboden würden den Anschein haben, sich vor- 
wärts zu neigen. Beachtenswerth ist die Bemerkung, dass man 
zwar den Kopf in einer Entfernung von nur vier oder fünf Fuss 
malen kann, damit man die Details desselben desto genauer erken- 
nen kann, allein es bleibt unerlässlich, von dem Modell wenigstens 
doppelt so weit entfernt zu sein, sowohl um die ganze Figur zu 
zeichnen, als auch, um alles das zu malen, was nicht zu den 
Fleischparthieen gehört. Bemerkt man dann in den Contouren 
des Kopfes und der Hände, und sogar an den Armen und der 
Taille etcl, einige kleine Verschiedenheiten, wenn man sich ihnen 
nähert, so darf man doch nichts an dem schon gemachten Ent- 
statt etwas hell zu halten, wenn man nämlich die Absicht hat, einen Kopf oder 
eine ganze Figur auf einen Himmel oder einen sonst sehr hellen Hintergrund 
abzusetzen. In diesem Falle darf man das Licht, welches von den anderen 
Fenstern der Stube kommt, nicht ganz verhüllen, sondern nur durch doppelte 
weisse Vorhänge mässigen, oder auf eine andere Weise, welche das Tageslicht, 
ohne einen farbigen Schimmer in die Stube zu werfen, mildert. 
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