Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Oelmalerei für Künstler und Kunstfreunde
Person:
Bouvier, Pierre Louis Ehrhardt, Adolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1333609
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1338300
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Dreiundzwanzigste Lection. 
Die Werkstatt. 
Von dem Platz, welchen der Maler gewöhnlich in seiner 
Werkstatt einnimmt. Von der Grösse, Proportion und 
besten Anordnung derselben. 
Der Maler wählt fast immer seinen Platz so , dass er das 
Fenster zur linken Hand hat, denn wenn er sich anders stellt, 
so wirft seine rechte Hand, welche den Pinsel hält, einen Schatten 
auf sein Gemälde. Den Rücken wendet er etwas gegen das Licht, 
damit er nicht geblendet wird und auch, damit sein Gemälde 
desto heller beleuchtet werde und dem Lichte fast gerade gegen- 
über stehe.  
Wenn man junge Frauen oder Kinder malt, die meistentheils 
eine frische Fleischfarbe haben, so stellt man sie so, dass sie das 
Licht mehr von vorn als von der Seite erhalten, wodurch die 
Schattenmasse wesentlich kleiner wird. Die auf diese Art be- 
leuchteten Portraits sind zwar nicht immer so effectvoll, als die 
anderen, allein sie sind viel angenehmer und vortheilhafter. 
Im Allgemeinen vermeidet man, selbst bei Portraits junger 
Männer, sie durch ein zu sehr von der Seite kommendes Licht 
zu beleuchten, das heisst, der Theil des Gesichts auf der Schat- 
tenseite muss nooh immer etwas erhellt sein, denn nichts ist un- 
angenehmer, als ein Gesicht, das auf einer Seite ganz hell und 
auf der anderen Seite ganz dunkel ist. Etwas Anderes ist es bei 
einem Gemälde, das aus mehreren Figuren besteht; bei diesen 
würde es affectirt sein und Mangel an Kunst und Geschmack 
verrathen, wenn man alle Köpfe auf gleiche Art beleuchten oder 
allen eine und eben dieselbe Stellung geben wollte, vielmehr muss 
man so viel als möglich sowohl die Stellung als das Licht ab- 
wechseln lassen und eine Mannigfaltigkeit der Beleuchtung er- 
streben, die für das ganze Gemälde am passendsten ist. 
Wir haben schon bemerkt, dass das Lieht in der Werkstatt 
eines Malers nur durch Ein Fenster fallen muss, zu diesem setzen 
wir noch hinzu, dass das Local Raum genug haben muss, damit 
die Person, welche man malt, ungefähr vier oder fünf Fuss von 
dem Fenster entfernt sitzen kann und eben so viel oder wo mög- 
lich noch mehr Raum hinter dem Stuhl des Modells übrig-bleibe 1). 
den Grund 
gilt ist, 
Es giebt Fälle, wo 
Werk- 
einer 
Wände 
die 
oder
        

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