Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Oelmalerei für Künstler und Kunstfreunde
Person:
Bouvier, Pierre Louis Ehrhardt, Adolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1333609
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1338234
V01] 
und 
von der Seite 
Beleuchtung 
oben. 
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den horizontalen Arm des Gestelles aufgehängt sein und bis auf 
einige Zoll auf den Fussboden herabhangen. Die Gardine muss 
in diesem Falle von sehr dunkler Farbe und sogar schwarz, und 
zwar auf beiden Seiten sein, damit sie weder den Maler, noch 
das Modell blendet. Diese Art, das Modell zu beleuchten, bringt 
eine starke Wirkung hervor, denn die Lichter, die von der Seite 
kommen, sind sehr lebhaft, während die Schatten dem Fenster 
gegenüber sehr breit sind. Diese eigenthiimliche Wirkung von 
Licht und Schatten bringt eine grosse Mannigfaltigkeit des Hell- 
dunkels für Gegenstände oder Portraits hervor, und dieses ist 
ein Vortheil, der die Einformigkeit," die durch eine und eben die- 
selbe Art der Beleuchtung in einer grossen Anzahl von Werken 
leicht sonst entsteht, vermeidet. Jedoch ist diese Wirkung, die 
etwas sehr Interessantes hat, für junge Personen beiderlei Ge- 
schlechts etwas zu ernst, sie ist mehr für männliche Köpfe 
anwendbar, besonders für Militain, obrigkeitliche und alte Per- 
sonen. 
Es giebt noch eine andere, von der vorigen verschiedene 
Art, das Tageslicht in eine Werkstatt zu bringen, die ich für die 
vortheilhafteste von allen halte. Allein um davon Gebrauch zu 
machen, muss man sein eigenes Haus haben oder sich wenigstens 
"zu einer ansehnlichen Ausgabe in einem anderen Hause ent- 
schliessen, wenn das Local zu dieser Einrichtung passend ist. 
Man richtet seine Werkstatt unmittelbar unter dem Dache 
ein, in Welchem man eine Oeffnung mit einer Glasbedeckung und 
ungefahr in so schiefer Lage, wie bei einem Gewachshause, an- 
bringt, und davon erhält man allein alles Licht. Nichts ist mit 
der Schönheit und Reinheit eines solchen Lichtes zu vergleichen; 
da es natürlicher Weise von der Höhe kommt, so bedarf-es kei- 
ner Gardinen und sonstiger Hülfsmittel, alle Gegenstände erhalten 
unter diesem schönen Lichte ein bewunderungswürdjges und cha- 
rakteristisches Aussehen, ohne die Augen des Modells oder des 
Malers zu ermüden. 
Zu diesen verschiedenen Arten der Beleuchtung einer Werk- 
statt füge ich nichts weiter als dieses hinzu, dass man, welche 
Art von Beleuchtung man auch einrichte, den Sonnenschein und 
alle Reflexe von aussen vermeiden muss, besonders solche, welche
        

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