Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Oelmalerei für Künstler und Kunstfreunde
Person:
Bouvier, Pierre Louis Ehrhardt, Adolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1333609
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1338210
Fenstervorhang. 
Gardine. 
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oder weil er eine Arbeit ausführen will, die wegen der vielen 
Details ausserordentlichen Fleiss erfordert, oder endlich, weil es 
anfängt dunkel zu werden und er eine Parthie vor Nacht schlech- 
terdings vollenden will. Man kann auch die Absicht haben, dem 
Modell eine Rembrandlsche Beleuchtung zu geben, die so 
hoch von oben kommt, dass der Körper ,oder der imtere Theil 
der Person sehr wenig beleuchtet ist, damit der Kopf um so mehr 
hervorgehoben werde, man aber fur sich mehr Licht haben will. 
In diesem Falle nehme man eine viel längere Gardine, als die 
vorhergehende ist, und hänge sie an einen eisernen Winkel in 
Galgenform; das Eisen muss überall rund sein, damit die Gar- 
dinenringe horizontal laufen können, wie bei gewöhnlichen Gar- 
dinen, der senkrechte Arm muss sich in zwei eisernen Ringen 
drehen können, wovon einer oben, der andere unten ist, um mit 
Leichtigkeit und nach Belieben die Gardine mehr oder weniger öffnen 
zu können, indem man sie mehr oder weniger dem Fenster nahe 
bringt oder davon entfernt. Diese winkelrechte Stange dreht 
sich wie eine Thür in ihren Angeln, so dass, wenn man sie von 
dem Fenster entfernt, die Gardine dem Modell sich nähert, wel- 
ches das Tageslicht blos von oberhalb der Gardine erhält, in- 
dessen der Maler alles Licht bekommt, das er haben will 1). Man 
darf diesen Winkel nur so weit öifnen, dass das Modell nicht von 
anderwärts Licht erhält, sondern nur von oben her vom Fenster. 
Es ist nötliig, dass die "innere Seite der Gardine schwarz sei, 
weil sonst der Maler, der sie vor Augen hat, von ihrem WiderÄ 
schein geblendet werden würde. Die oben angegebene Vorsicht, an 
der Gardine nach innen zu in der-Werkstatt gar kein schwarzes 
Band sehen zu lassen, habe ich aus gutem Grunde empfohlen. 
Der berühmte Arg and, dem man die Erfindung der Lampen für 
Zugwind verdankt, die in Paris gewöhnlich Lampen a la quinquet 
 
1) Man sehe die fünfte Kupfertafel, Fig. O, auf welcher ich im Kleinen 
die Gestalt dieser Gardine und der genäheten Vorhangstange gezeichnet habe. 
Der horizontale Theil muss zwanzig bis vierundzwanzig Zoll haben, der senk- 
rechte ungefähr fünf Fuss, und so auch die Gardine selbst. Man kann mit der 
Höhe der Gardine abwechseln, indem man in der Höhe der verticalen Vor- 
hangstange einige Löcher bohrt, in welche man einen Pflock, in der Höhe, in 
welcher man sie haben will, steckt.
        

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