Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Oelmalerei für Künstler und Kunstfreunde
Person:
Bouvier, Pierre Louis Ehrhardt, Adolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1333609
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1338191
Hintergründe. 
 Dunkler 
Himmel. 
375 
samkeit des Betrachtenden dadurch nicht abgelenkt werde und 
alles Interesse auf das gelenkt wird, was den Hauptgegenstand 
des Gemäldes ausmacht, denn dieses hindert dennoch nicht, selbst 
auch den verschiedenen Parthieen eines Grimdes einige Aufmerk- 
samkeit zu gönnen. Es giebt sogar Einiges, was detaillirt und 
gut ausgeführt sein muss, nämlich die Beiwerke, die gewisser- 
massen mit zur Figur gehören, wie ein Lehnstuhl, ein Tisch, ein 
Baumstamm, Blumen, mit einem Worte Alles, was sehr nahe und 
bisweilen sogar vor der Figur steht. Allein alles dasjenige, von 
welchem man annimmt, dass es in einer gewissen Entfernung 
hinter den Personen einen Hintergrund darstellen soll, muss in 
einer verschwommenen, wenig bestimmten Weise gemalt sein. 
Unter den verschiedenen Arten der Himmel wird diejenige 
als Hintergrund die beste Wirkung machen, welche einen trüben, 
stürmischen Himmel darstellt, weil viele und mancherlei Arten 
von Tönen dabei angebracht werden können, die sich mit den 
Köpfen sehr harmonisch stimmen lassen, und da es in der freien 
Wahl des Malers steht, die Massen und die Töne der Wolken 
nach seiner Phantasie zu ordnen, so wird er nicht unterlassen, 
wenn er seine Kunst versteht, sich dieses geschickt zu Nutze zu 
machen, um gewisse Parthieen dunkler und andere nach Be- 
lieben heller zu halten, um dadurch seinen Kopf, was Wirkung 
und allgemeine Harmonie betriHt, mehr hervortreten zu lassen. 
Man entgegne nicht, dass es falsch sei, einen Kopf oder sogar eine 
ganze Figur mit einem starken Licht zu beleuchten, während sie 
sich auf einem stürmischen oder regnerischen Hintergrunds absetzt; 
dies sieht man täglich, die Figur kann ihr Licht von Morgen 
erhalten, wo der Himmel hell und klar sein kann, indessen 
gegen Abend oder Mittag der Himmel mit Wolken bedeckt und 
dunkel ist. Der Maler malt niemals den Himmel, den er hinter 
Sich hat, denn diesen sieht er nicht, er malt und kann keine 
andere Parthie des Himmels malen, als die er vor sich hat; 
wenn zu viele Gegenstände auf einmal die Blicke auf sich ziehen, entweder 
dadurch, dass sie zu stark beleuchtet oder zu bestimmt angegeben, oder zu hart 
detaillirt sind; denn nichts darf bei dem ersten Anblick unsere Aufmerksamkeit 
in Anspruch nehmen, als der Hauptgegensfand; dieser Grundsatz ist allen nach- 
ahnmenden Künsten gemeinsam.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.