Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Oelmalerei für Künstler und Kunstfreunde
Person:
Bouvier, Pierre Louis Ehrhardt, Adolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1333609
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1338165
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Dreiundzwanzigste Lection. 
Die Werkstatt. 
eine hölzerne Rolle, wie bei den Landkarten, daran und streiche 
ein oder zwei Stücke solcher Leinwand mit reinem Himmelblau 
und wie einen mit hellen und goldigen Wolken durchzogenen 
Himmel, eine andere Leinwand wie einen grauen und dunklen 
Himmel an, und endlich auf ein oder zwei anderen Stücken solcher 
Leinwand male man grünes Gesträuch so aus dem Ganzen, aber 
nur undeutlich, unbestimmt, verschwommen, ohne Details und 
besonders ohne die geringste Harte 1). Alles' dies muss verwischt 
und durchaus ohne bestimmte Form sein; das Wesentliche dabei 
besteht darin, dass die Töne des Himmels und des Grün sanft 
sind und sich in die Ferne verlieren, alsdann können diese von 
allen Seiten mit den verschiedensten Tönen bestrichenen Stücke 
Leinwand uns zu Hintergründen dienen, indem sie uns eine grosse 
Anzahl von Tönen zum Aussuchen darbieten für die Wirkung, die 
man hervorbringen will. Vorher überlegt man, welcher mehr oder 
weniger helle oder dunkle Ton für den Himmel oder die Land- 
schaft als Hintergrund am passendsten ist. Man kann sogar um 
sein Modell her einige Stücke dieser Leinwand aufstellen, was sehr 
viel helfen wird, um von unserem Standpunkt aus zu beurtheilen, 
was am passendsten ist, den Kopf gut loszusetzen, damit er weder 
nüchtern noch hart erscheint. Man hat es nicht allein in seiner 
Gewalt, bald diesen oder jenen Hintergrund zu wählen, deren 
Töne verschieden sind, sondern man vermehrt diese Verschieden- 
heit noch durch die Art, wie man sie in der Werkstatt gerade 
oder schief gegen das Licht stellt, wodurch man die dunklen oder 
hellen Töne "der Hintergründe unendlich verändern kann, so dass 
unser Modell, das von allen Seiten von diesen Rahmen reflectirt 
wird, fast eben so gut wie unter freiem Himmel beleuchtet ist. 
Es versteht sich, dass man die verschiedenen Rahmen hinter und 
auf beiden Seiten des Modells in einer passenden Entfernung 
stellen muss, damit dasselbe nicht zu viel und auch nicht zu we- 
nig reflectirt wird. 
 
1) Man bemalt diese Leinwand grob wie eine Theaterdecoration in einer 
Tempera, mit einem dicken Pinsel von dngefähr zwei Zoll im Umfange und 
macht die Farben mit sehr schwachem iiandrischen Leim an, den man beim 
Malen lauwarm erhalten muss. Dieser Leim muss erkaltet eine sehr wenig 
consistente Gallerte sein.
        

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