Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Oelmalerei für Künstler und Kunstfreunde
Person:
Bouvier, Pierre Louis Ehrhardt, Adolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1333609
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1338151
der 
Licht in 
Das 
Werkstatt. 
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sogar mit blossem Lesen, sich dergestalt einzurichten, dass das 
Licht blos von oben herunterfallt, sie werden sich dabei wohl be- 
finden und ihr Gesicht viel langer erhalten. 
Es trifft sich öfter, dass man ein Portrait oder irgend einen 
Gegenstand auf einm Himmel als Hintergrund malen will; dies 
kann geschehen, allein man muss dann den Hintergrund und be- 
sonders den Kopf in einer ganz anderen Weise behandeln, als 
wenn man eine Stube oder sonst ein Interieur als Ilintergrund 
malt; freilich muss hierzu bemerkt werden, dass ein Künstler schon 
ziemlich geschickt und sehr gewandt sein muss, wenn er auf einem 
Himmel als Hintergrund einen Kopf schön lossetzen will. 
Ein besseres Mittel kann man in Wahrheit nicht ergreifen, 
als wenn man sich selbst in freier Luft und auf offenem li'elde 
zum Malen anschickt, um die Wirkung dieser Lichtart in der 
Natur nachzuahmen, die mit dem des Inneren gar keine Aehn- 
lichkeit hat, wo Kopf und Figur blos von einer Seite beleuchtet- 
ist. In freier Luft hingegen wird das Modell durch einen Licht- 
strom von allen Seiten umgeben, und zwar in fast gleichförmiger 
Weise, besonders wenn man sein Modell den Sonnenstrahlen aus- 
setzt, was übrigens nur Landleute ertragen können. 
Wenn man also eigentlich gezwungen ist, die Sonne zu ver- 
meiden, so wird die Wirkung für ein Portrait überhaupt zu wenig 
bestimmt und schwer zu treffen sein, weil die Iteüexe des Him- 
mels die Figur von allen Seiten umgeben, mithin die Schatten 
Sehr unbestimmt und blaulich- sein werden; eine Wirkung, die 
Sehr schön ausfallen könnte, wenn man sie vollkommen gut dar- 
stellte, allein dies geschieht nur selten, Viele Maler, zumal die, 
Welche sich mit Portraits beschäftigen, setzen öfters ihre Köpfe 
auf einen Himmel ab, ohne die Natur und den allgemeinen Ton 
der Schatten im Geringsten zu verändern. Dies ist ein Wider- 
spruch. In einem eingeschlossenen Raum sind die Schatten viel 
brauner als in freier Luft, mithin sind ihre Arbeiten hart und 
ohne alle Harmonie. Um diesen Uebelstand so viel als möglich zu 
vermeiden und weil man seine Werkstatt doch nicht in freier 
Luft einrichten kann, so muss man folgendergestalt verfahren: 
Man nehme einige Stücke gewöhnlicher Leinwand von funf 
bis sechs Fuss Höhe auf drei Fuss Breite, nagele oben und unten 
24?
        

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