Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Oelmalerei für Künstler und Kunstfreunde
Person:
Bouvier, Pierre Louis Ehrhardt, Adolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1333609
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1338088
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Loction. 
Zweiundzwanzigste 
Landschaft. 
sieht, sind eben so viele kleine Städte und Dörfer, und weit um- 
her ist Alles Feld und Weinberg, die ihre Einwohner, oder grüne 
Wiesen, mit lebendigen Hecken und Bäumen umgeben, die ihr Vieh 
ernähren; anmuthige Gehölze von Buchen und Eichen schmücken 
überdies die Schönheit dieser Landschaft und unterbrechen durch 
ihre weichen und an Grösse und Farbe ungleichen Massen die 
Einförmigkeit.  
Aber lasst uns zu folgendem Gemälde übergehen und die be- 
rühmten Wasserfälle in Augenschein nehmen, die die Freunde 
der schönen Natur von allen Seiten anziehen. 
und 
Farbe 
ungleichen 
Massen 
die 
Schäumend sieht man sie ihrer Quelle entrinnen und sich in 
einer einzigen Masse von den allerhöchsten Höhen bis in die 
Thäler hinabstürzen. 
Die 
Luft 
ertönt 
weiter Ferne 
schon von 
dem Getöse 
ihres 
Falles, wo das Auge nur einen langen silbernen Streifen erkennt, 
der auf dem Felsen, dessen Seiten er zerrissen hat, unbeweg- 
lich erscheint. Allein je naher man kommt, desto imposanter 
wird das Schauspiel, ihr Umfang ist ungeheuer und ihre herab- 
stürzende Masse brüllt imit einem entsetzlichen Getöse. 
Fallend, springend von Fels zu Fels, die sie mit weissem 
Schaum bedeckt, theilt und erweitert sich durch stets erneuerten 
Anprall diese strahlende Wasserflache, bald ist es nur ein nasser 
Staub, einbglänzender Dunst, der ohne Bewegung und "gleichsam 
aufgehängt in dem leeren Luftraum dahin schwimmt, der aber, 
wenn er von einem Sonnenstrahl erhellt wird, dem bezauberten 
Auge das ganze Phänomen des Regenbogens bietet.  
Rings um den Wasserfall, auf einem allezeit grünen und blü- 
henden Rasen, schlängeln sich tausend kleine Streifen Wasser, 
Niederschlag dieser feuchten Masse. und bahnen sich je nach ihrem 
Fall verschiedene Auswege. Bald bilden sie Bäche, die murmelnd 
weiter eilen und sich in der Umgegend ausbreiten. Während des 
Laufes nach unten zu vereinigen sie von Stufe zu Stufe ihre 
herumirrenden Wässer, man sieht, wie sie sich von Augenblick 
zu Augenblick vermehren, _bis sie, insgesammt in ein und dasselbe 
Bett angelangt, ein wirklicher Giessbach werden, der durch alle 
Regenbache an Wasser immer mehr und mehr zunimmt. Dann 
fangen diese gesammelten Fluthen an zu rauschen und weiss zu
        

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