Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Oelmalerei für Künstler und Kunstfreunde
Person:
Bouvier, Pierre Louis Ehrhardt, Adolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1333609
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1338068
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Zweiundzwanzigst: 
Lvcti 
Landschaft. 
und nach ihrer bläulichen Farbe, sollte man sie für die Wogen 
eines stürmischen Meeres halten, dessen riesige Wellen sich bis 
zum Himmel aufthiirmen. 
Sobald man aber ihnen näher kommt, verändert sich der 
Anblick: das Gemälde "rollt sich auf; jedes dieser Gebirge bietet 
uns einen verschiedenen Anblick._ Einige derselben, grün und 
leicht zugänglich, tragen auf ihren abgerundeten Seiten reiche 
Wiesen und zahlreiche Heerden, und unter grünen Wölbungen 
von dicklaubigen und saininetartigen Bäunien benetzen abwärts 
fliessende Bäche die Thäler und laden den Reisenden ein, da- 
selbst Schatten und Ruhe zu lsuchen. Etwas höher, an dem 
Abhange des Hügels, umgeben und bescliatten anmuthige Grup- 
pen von Bäuinen, in ungleichen Entfernungen zerstreut, die länd- 
lichen Dächer einiger bescheidenen Sennhütlen 1); und weit über 
diesen krönen grosse Wälder düsterer Tannen die höchsten 
Spitzen der Gebirge. 
Weiter  betrachten wir das folgende (leinälde: eine andere 
Art der Natur, die auch ihre Schönheiten hat, stellt sich unseren 
Blicken dar; es sind dies die hohen und schroffen Felsen, deren 
zersplitterte Seiten nichts "als Abgründe und Tiefen bieten. 
Betrachtet einmal diese kahlen Felsen, wie ihre scharfen 
und gekrümmten Spitzen ungeheuren drohenden Zähnen ähnlich 
sind 2). Vergebens sucht man hier eine Spur von Vegetation; 
Alles ist todt: Eis und Schnee schmelzen fast nie; sie haben diese 
Stelle an sich gerissen, und (lie auf dem verwünschten Felsen 
zerstörte Natur findet nirgends eine Stätte, wo sie sich wieder 
erholen könnte; oder wenn man ja hie und da auf einer isolirten 
Stelle einen blassen Schinnner von Vegetation bemerkt, so ist 
dieses nur in Löchern oder höhlenzrrt-igen Spalten der Felsen, in 
 
1) So nennt man in dem Lande die langen, ganz hölzernen Schuppen, in 
welchen die verschiedenen Käse bereitet werden, und worin die Menschen, die 
ihn bereiten, und das Vieh, welches die Milch giebt, Schutz finden. Wenn die 
üble Jahreszeit sich nähert, so verlässt man die Sennhütten und steigt in die 
Ebene.  
2) Diese scharfen Spitzen nennt man bald Spitzen, bald Zähne, wenn 
sie flach, krumni und zurückgehogen sind, wie die Zähne der fieischfressenden 
Thiere. Man sieht deren, welche mehrere hundert Fuss Höhe haben.
        

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