Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Oelmalerei für Künstler und Kunstfreunde
Person:
Bouvier, Pierre Louis Ehrhardt, Adolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1333609
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1338053
Schweiz. 
Schilderungen der 
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wohner der Schweiz; diese, allgemein stark, arbeitsam und 
tapfer, unterscheiden sich in jedem Canton durch ihre eigenthüm- 
liche, oft zierliche, immer malerische Tracht. 
Ordnung, Ruhe und Friede herrschen überall; die Luft, die 
man einathmet, ist balsamisch und zugleich so rein, dass die 
Gegenstände mit tausend mannigfaltigeren und glanzenderen 
Tönen mehr als anderswo gefarbt sind. Man muss den harmoni- 
schen und schillernden Schein, welchen die untergehende Sonne 
auf den fernen Alpen hervorbringt, sehen, während über ihnen 
und sogar über der Region der; Wolken, ungeheure Gipfel von 
Granit, von unersteiglicher Höhe, sich gen Himmel erheben, zu 
welchem sie oft durch lange weissliche und horizontale Wolken 
hinaufgehoben und von der Erde getrennt zu sein scheinen, und 
die, indem sie einen Theil ihres Fusses bedecken, blos ihre höch- 
sten mit Schnee undewigem Eis gekrönten Gipfel sehen lassen, 
die glühend den letzten Schein der Sonne zuriickstrahlen. 
Nichts ist mit dem imposanten Schauspiel zu vergleichen, 
das in solchem Augenblick die höchsten Berge darbieten, zumal 
der Mont-Blaue, der Riese von Europa l); er ganz allein strahlt 
mitten unter den hohen Gebirgen, die ihn umgeben, wenn diese 
schon seit einer Viertelstunde in kalte und graue Schatten ver- 
sunken sind; sein Licht streitet mit dem der Sonne und scheint 
ihn als den König der Natur zu verkündigen. Allein bald wird 
auch er mit einem "bleichen Schleier bedeckt, sein Glanz ver- 
schwindet, sein Anblick bietet nur noch das Bild der Zerstörung 
und des Todes. Der Zuschauer wird ernst gestimmt, gerath in eine 
Art von Schwermuth, und denkt an die Nichtigkeit so vieler prach- 
tigen Scenemidie in der Welt auch nur einen Augenblick glänzen. 
Aber lasst uns weiter gehen und die übrigen Gemälde he- 
trachten. Welch eine ungeheure Masse von Gebirgen, die amphi- 
theatralisch über einander gestellt sind! Von Weitem gesehen, 
1) Der Mont-Blaue, der höchste Berg in Europa, liegt in Savoyen 12 bis 
15 Stunden von Genf, von wo aus er so nahe scheint, als wäre er nur einige 
Stunden entfernt. Nach dem Mont-Blaue sind die Jungfrau und der Gemmi 
im Canton Bern die höchsten Gebirge. Indessen sagt man, dass der Mont-Rosa 
und der Pic du midi unmittelbar auf den Mont-Blaue folgen.
        

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