Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Oelmalerei für Künstler und Kunstfreunde
Person:
Bouvier, Pierre Louis Ehrhardt, Adolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1333609
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1338030
Landes. 
Charakterisirung des 
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scheinung eines jeden Landes halten und diese wiedergeben: denn 
jedes hat seine eigene Physiognomie, durch seine geographische 
Lage, sein Klima und durch die Natur seiner Atmosphäre, die 
auf die Vegetation mächtig wirken; ebenso muss er die Art der 
dortigen Denkmäler nachahmen, der Baulichkeiten und Hütten, 
sowie die Arten der Thiere, die dem Lande natürlich sind, und 
das allgemein angenommene Costüm der Einwohner. Die Ge- 
wasser, wenn er sie malt, muss er so malen, wie sie sind, schlam- 
mig oder durchsichtig und klar, in reicher Fülle oder dürftig und 
stillstehend. Mit einem Wort, wenn der Maler gefallen will, so 
muss er ein Portrait des Landes geben; selbst der Himmel muss 
die südliche, mittlere oder_ nördliche Zone erkennen lassen. 
Nicht alle Gegenden sind gleich schön für die Malerei, und 
man muss zu wählen wissen. Allein, wenn man seine Wahl ge- 
troiicen hat und die Natur, die man vor Augen hat, uns einen 
angenehmen Anblick darbietet, so darf man sie nicht durch fremd- 
artige Verzierungen, die der Gegend öfters nicht angemessen sind, 
entstellen; besonders muss man nicht solche willkürlichen Ver- 
setzungen, die bei mittelmässigen Künstlern gebräuchlich sind, 
machen, indem sie auf französische, deutsche oder schweizerische 
Gebirge Ruinen oder Monumente verpflanzen, die niemals daselbst 
existirten und die man blos in Griechenland und Italien sieht; 
die Figuren dieser Gegenden dürfen weder antik bekleidet sein, 
noch etwa mit der Feier eines Bacchusfestes oder irgend einem 
anderen ebenso unwahrscheinlichen Gegenstands beschitftigt sein; 
gerade wie wenn es einem beliebte, eine Weinlese auf einem 
Grund und Boden von Lappland darzustellen. Die Menschen 
lieben blos das Wahre in der Kunst; vor einem Gemälde, das 
kein besonderes Land darstellt, bleiben sie kalt und gleichgültig. 
 Man beachte und stelle also den Hauptton jedes Landes 
und dessen Charakter dar, ohne ihn zu übertreiben. In dem 
schönen Italien müssen warme und goldige Töne andeuten, dass 
eine brennende Sonne seinen Boden bestrahlt und seine Erde 
gewissermassen roth brennt; die alten prächtigen Monumente auf 
den Anhöhen müssen von seiner ehemaligen (irösse zeugen und 
die Erinnerung wecken, dass "einst hierdie Künste blüheten und 
die Einwohner die Herren der Welt Waren.
        

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