Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Oelmalerei für Künstler und Kunstfreunde
Person:
Bouvier, Pierre Louis Ehrhardt, Adolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1333609
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1337994
Untertuschung auf 
gTauer Grundirung. 
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Mühe, blos mit geistreichen Druckern, Lichtern und verschiedenen 
Lasuren in den Bäumen, Gründen und überall anderwarts voll- 
enden kann. IDer zweite Vortheil ist eben so wichtig, als der 
erste, und besteht darin, dass, weil die Untermalung warm ist, 
diese immer etwas durchschimmert, wenn man sie auch bei der 
Uebermalung deckt, und allen Tönen, die man darüber legt, etwas 
Reifes und sehr stoffliches Gegenständliches giebt. 
Wenn man auf einen einfarbigen, jedoch gelbröthlichen Grund 
malt-(welches ich allezeit vorziehe, besonders wenn die Leinwand 
nicht mit Oel'-, sondern mit Leimfarbe zubereitet ist), so kann 
man sogleich mit allen Farben dick darauf untermalen und auf 
die oben angezeigte Art verfahren. 
Mehrere vortreiiiiche Maler machen von diesen beiden Arten 
der Anlage Gebrauch, und finden dies, so wie ich, sehr gut. In- 
dessen ist diese Methode von den Künstlern noch nicht allgemein 
angenommen. 
Zur Untermalung der Bäume, des Rasens und der Gründe 
brauche man niemals das Indisch Gelb, denn es dient blos zum 
Lasiren; man muss dunklen Ocker für die dunklen Stellen und 
hellen Ocker für die lichten gebrauchen, indem man nach Bedürf- 
niss Weiss darunter mischt. Für lichtes Grün kann man Neapel- 
gelb anwenden, weil es gut deckt, allein man muss es nicht mit 
Weiss mischen, indem beide Farben sich wechselseitig schaden 
und durch diese Verbindung sich sehr verändern. Wenn man 
aber warme und goldige Töne mischen will, so brauche man die 
Ocker, denn das Neapelgelb geht allezeit etwas inis Grünliche, 
und man muss es besonders bei dem Himmel vermeiden. 
Eine grosse Zahl berühmter Maler der Italiener und Nieder- 
länder haben sich der weiss oder grau grundirten Leinwand oder 
eben solcher Hclztafeln sehr wenig bedient, sie sind sogar auf 
ein anderes Extrem verfallen, und haben eine Grundirung von 
braunrothem und rothem Ocker gewählt. Die letzte Farbe ist 
zwar ihrer Natur nach nicht so schädlich als die weisse, allein 
es entsteht doch ein grosser Nachtheil daraus, ihre Bilder sind 
braun und dunkel geworden. Wir haben davon Beispiele in den 
Werken zweier berühmter französischer Maler, nämlich des 
Poussin und Le Brun, die davon Gebrauch gemacht haben. 
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