Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Oelmalerei für Künstler und Kunstfreunde
Person:
Bouvier, Pierre Louis Ehrhardt, Adolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1333609
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1337960
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Zweiundzwanzigste Lection. 
Landschaft. 
legen, tupfe man mit kleinen einzelnen Stössen einen neben den 
anderen, indem man in der linken Ecke des Bildes anfängt und 
immer in einer schiefen Richtung, ungefähr einer Biegung von fünf- 
undvierzig Grad, weiter geht, jedoch so, dass man den oberen Theil 
des Himmels stets etwas dunkler halt, als alles Uebrige. Diese 
Pinseltupfe gehen von der Linken zur Rechten und werden dann 
fast mit der ganzen Länge der Borsten des Pinsels, bei jedem 
Ton der Reihenfolge überstrichen._ Man muss sich bemühen, die 
Farbe überall gleich dick aufzutragen, um nachher das Ganze 
ohne Schwierigkeit vereinigen zu können, indem man einen grossen 
und starken Dachspinsel nimmt, mit welchem man alle Abstu- 
fungen in einander vertreibt und in einander zieht. Man muss 
bei dem Auftrag der Farben den Pinsel herzhaft dergestalt auf- 
setzen, dass er die fette Farbe gut hinsetzt, ohne dass sie sich 
schiebt. Dies geschieht mit kleinen schnellen Stössen, ungefähr 
so, als wollte man sehr kurzeßchrafürungen machen, die sich 
alle in einander wieder vereinigen sollen. Auf eben diese Art 
tragt man auch die Farbe in allen grossen Parthieen auf, wie 
bei Hintergründen, Möbeln, Terrains und Gewändern; mit dem 
Vorsatz, dass, wenn die Farbenmasse aufgesetzt ist, man an ge- 
wissen Orten von Neuem darüber geht, um der Farbe die Rich- 
tung zu geben, die sie in Bezug auf die Form des Gegenstandes 
haben muss. Man fangt gewöhnlich bei dem Decken einer grossen 
Parthievon der linken Seite des Gemäldes an, weil es viel natür- 
licher und bequemer ist, den Pinsel von der Linken zur Rechten 
zu führen, als umgekehrt. 
Hat man einen grauen und wolkigen Himmel zu malen, so 
untermale man nicht mit Ultramarin, sondern nehme blos Kork- 
schwarz, welches das leichteste und bläulichste von allen schwar- 
zen Farben ist; giebt es aber blaue oder nur sehr bläuliche Par- 
thießn, S0 nehme man reines Ultramarin für die ersteren und 
mische mehr oder Weniger davon (mit Schwarz und Weiss) für 
die Zwßiten- Für die Wolken, deren Töne und Färbungen ab- 
wechselnd Sind, mische man unter das Grau bald hellrothen 
Ocker, bald Lack, und endlich gelben Ocker, wenn sie einen 
bräunlichen Ton annehmen. Oft giebt selbst das Ultramarinblau, 
das mit Weiss vermischt zum Himmel gedient hat, den erwünsch-
        

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