Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Oelmalerei für Künstler und Kunstfreunde
Person:
Bouvier, Pierre Louis Ehrhardt, Adolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1333609
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1337940
350 
Lection. 
Zweiundzwanzigste 
Landschaft. 
Indessen wenn man auch die schöne Natur zum wahrhaftigen 
Lehrmeister erwählt, so studire man doch zugleich die Gemälde 
der berühmtesten Meister dieser Art. Man betrachte wechsel- 
seitig und mit der grössten Aufmerksamkeit einen Claude-Lor- 
rain, Ruisdael, Berghem, Bott, Garl Dujardin u. a., und 
vergleiche sie mit der Natur. Man wird dann sehen, wie sie die 
Natur wiedergegeben haben, mit welcher Kunst sie ihre Wirkun- 
gen zu wählen gewusst und welche Zusammenstellung bei der 
Vertheilung des Lichts und Schattens sie gutgeheissen haben. 
Von einem jeden soll man das, was uns am wahrsten, am auf- 
fallendsten und am meisten romantisch zu sein scheint, annehmen, 
aber keine einzelne Manier; der Natur muss man treu sein. Muss 
man aber eine Manier haben, so sei es, wie ohne unser Wissen 
und jedenfalls unsere eigene und gleichsam das Resultat unserer 
Studien und unseres Gefühls, und nicht die Frucht der Nachahmung 
einer anderen Manier. Man ist allezeit voll Fehler und schwach, 
wenn man sich nur in den Fussstapfen irgend eines Meisters fort- 
bewegen will. 
Der Himmel und die Fernen, und selbst die grossen Wasser- 
flächen (wenn sie ruhig und himmelblau sind) müssen von der 
Untermalung an mit Ultramarin gemalt werden; mit anderen 
blauen Farben würde man den Ton der Farbe nicht fein und 
fernend genug erhalten. 
Man muss für alle diese Dinge, und namentlich für die 
Töne von Ultramarin _und Weiss in einer Stufenleiter zu 
Lüfte, 
einem 
immer intensiveren Blau mischen, indem man mehr oder weniger 
Weiss hinzusetzt. Der Himmel, welcher über unserem Kopfe bis 
zum Horizont eine Art Gewölbe bildet, muss nicht überall mit einem 
gleich starkblauen Ton gemalt werden. Der Himmel über uns, 
der für unsere Augen der von den Dünsten, die von der Erde 
aufsteigen, freieste Theil ist, erscheint uns von reinerem und 
dunklerem Blau, als der Horizont, besonders der Sonne gegen- 
über; allein diese Abstufung des Blau muss sich von einem Ende 
zum anderen auf eine unmerkliche Art verlieren und vermischen, 
.ohne dass man den Uebergang von einem dunkleren Streifen zu 
dem folgenden etwas helleren wahrnehmen kann. Zu dem Ende 
mische man auf der Palette einige auf einander folgende blaue
        

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